Railjet kurz nach der Durchfahrt von Bregenz-Hafen nach Lindau, Jürgen Vos 19.07.2012

Vorarlbergbahn

 

Die Vorarlbergbahn (auch Vorarlberger Bahn) ist eine Bahnstrecke, die durch das österreichische Bundesland Vorarlberg führt. Ihre Streckenführung verläuft ähnlich der Rheintal/Walgau Autobahn von der Staatsgrenze mit Deutschland bei Lindau bzw. Hörbranz bis Bludenz, wo sie in die Arlbergbahn übergeht.

 

Die gesamte Strecke befindet sich im Besitz der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und wird auch von dieser betrieben und hauptsächlich befahren.

 

Die Vorarlbergbahn ist die westliche Fortsetzung der Arlbergbahn (ÖBB-Fahrplannummer AT 401) durch den Walgau und das Vorarlberger Rheintal.

 

Triebzug der ÖBB-Baureihe 4024 im Schweizer Grenzbahnhof St. Margrethen

Geschichte


Planungsphase

 

Bereits im Jahr 1847 erkannte der später als wichtigster Vertreter des Eisenbahnbaus in Vorarlberg bezeichnete Unternehmer Carl Ganahl die Bedeutung einer Bahnlinie in Vorarlberg. Zunächst stellten sich aber viele Probleme diesem Ansinnen entgegen, die größten davon natürlich gegebene. Eine Gebirgsbahn, wie sie zur Überquerung des Arlbergs nötig war, war bislang in Österreich noch nicht gebaut worden und eine Streckenführung ohne Anschluss an die Tiroler Gebiete schien nutzlos. Zudem war Vorarlberg kein eigenständiges Kronland Österreich-Ungarns und verfügte damit auch über keine Repräsentanten in Wien.

 

Im Jahr 1853 wurde der Verkehr auf der bayrischen Ludwig-Süd-Nord-Bahn bis Lindau und 1857 auf den Schweizer Strecken von Rorschach nach Rheineck und von Rheineck nach Chur eröffnet. Auf österreichischer Seite erfolgte im Jahr 1859 der Anschluss Innsbrucks über Kufstein-Wörgl an das Eisenbahnnetz. Bereits 1856 reichte der nunmehrige Präsident der neu gegründeten Vorarlberger Handels- und Gewerbekammer, Carl Ganahl ein Gesuch um Bewilligung von Vorarbeiten ein. Daraufhin ließ er nur zwei Jahre darauf ein erstes Detailprojekt ausarbeiten, welches er aus eigener Tasche bezahlte. Im selben Jahr noch stellte er ein definitives Konzessionsansuchen an das k.u.k. Handelsministerium. Dort wurde das Ansuchen vorläufig zurückgestellt, da zunächst Rücksprache mit den Anrainerstaaten gehalten werden musste. Diese konnten erst 1865 mit der Unterzeichnung von Staatsverträgen erfolgreich abgeschlossen werden.

 

Zuvor hatte das Handelsministerium im Jahr 1864 ein Eisenbahnbauprogramm vorgelegt, das erstmals auch den Bau einer Strecke von Innsbruck nach Dornbirn vorsah. Im März 1867 konnte ein erstes Konzept von Vorarlberger Seite vorgelegt werden, das auch den Bau eines Tunnels zwischen St. Anton und Langen vorsah. Der Reichsrat behandelte das Ansuchen zwar bereits im Jahr 1867, beschlossen wurde der Bau allerdings erst am 1. Mai 1869.


Umsetzung und Bau

 

Nachdem sich Carl Ganahl unter zwei weiteren Mitbewerbern um den Bahnbau durchsetzen konnte, begannen die Bauarbeiten für den Bau der ersten Bahnlinie Vorarlbergs im Oktober des Jahres 1870. Der Großteil der Bauarbeiten wurde im Jahr 1871 durchgeführt, wobei immer nur Teilabschnitte gebaut werden konnten und teilweise aufgrund von Einwänden erhebliche Zeitverluste in Kauf genommen werden mussten. Die neu geschaffene Aktiengesellschaft der k. k. priv. Vorarlberger Bahn mit Sitz in Wien erhielt ihre Firmen-Konzession vom Innenministerium am 5. Mai 1871, am 9. Juni wurden die Statuten genehmigt, am 3. Juli erfolgte der Konstitutionsakt und am 8. Juli wurde sie ins Handelsregister eingetragen.[2] Sie konnte über ein praktisch unbegrenztes Kapital verfügen, da ihre Aktien zwanzigfach überzeichnet worden waren.

 

Der erste Festzug befuhr die Strecke Bludenz-Lochau am 30. Juni 1872 mit einer Dampflokomotive, die auf den Namen „Bregenz“ getauft worden war. Schließlich konnte die Bahnstrecke am 1. Juli 1872 dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Erst im Jahr 1884 wurde sie aber durch den Bau des Arlbergtunnels an das restliche österreichische Bahnnetz angeschlossen. Zuvor waren bereits am 14. Oktober 1872 die Verbindungsstrecke von Feldkirch nach Buchs sowie die Verlängerung von Lochau nach Lindau eröffnet worden. Am 23. November desselben Jahres folgte außerdem die Verbindung nach St. Margrethen. Ein erster durchgehender Schnellzug befuhr die Strecke ab dem 1. November 1873 auf dem Weg von Zürich nach München. Mit dem Anschluss der Vorarlbergbahn an das restliche öffentliche österreichische Eisenbahnnetz endete zugleich ihre Ära der Selbstständigkeit, sie wurde Staatsbesitz.

 

Während der Großteil der Streckenabschnitte in den 1920er-Jahren elektrifiziert wurde, erfolgte die Eröffnung der elektrifizierten Strecke von Bregenz nach St. Margarethen erst am 12. Jänner 1949. Der elektrifizierte Abschnitt von Bregenz nach Lindau wurde am 14. Dezember eröffnet. Der zweigleisige Ausbau zwischen Bludenz und Feldkirch erfolgte 1991, der von Feldkirch nach Bregenz im Jahr 1995. Die Teilstrecke von Lochau-Hörbranz nach Bregenz Hafen ist weiterhin nur eingleisig.

 

Ausbau und Technik

 

Die Hauptstrecke der Bahnlinie ist mit Ausnahme des Abschnitts Bregenz–Lochau zweigleisig ausgebaut und vollständig elektrifiziert, wobei das Teilstück von der Staatsgrenze bis zum Lindauer Hauptbahnhof insofern eine Besonderheit darstellt, als dass die elektrischen Oberleitungen von der ÖBB-Werkstätte in Bludenz aufgrund deutscher Vorschriften erstellt wurden. Da in Deutschland kein Anschluss an das deutsche Bahnstromnetz besteht, wird dieses Teilstück von Österreich aus mit Strom versorgt. Aus diesem Grund (und weil der Lindauer Bahnhof ein Kopfbahnhof ist) müssen in Lindau bei fast allen internationalen Zügen die elektrischen Lokomotiven der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auf Diesellokomotiven der Deutschen Bahn gewechselt werden.


Zweigstrecke Lauterach–St. Margrethen

 

Im Bereich der Haltestelle Lauterach (früher Bahnhof) wurde ein Gleisdreieck für die Verbindung zur Schweiz erstellt. Während die Abzweigung aus Richtung Feldkirch in die Schweiz nur von Güterzügen in die Schweiz bzw. bis zum Erdöllager der OMV bei Lustenau verwendet wird, wird die Abzweigung aus Richtung Bregenz überwiegend von Personenzügen verwendet und ist Teil der Hauptverkehrsachse München–Zürich.

 

In St. Margrethen erfolgt die Anbindung an die Strecke der SBB von St. Gallen über St. Margrethen und Sargans nach Chur, wobei in Fahrtrichtung St. Gallen kein Richtungswechsel des Zuges erforderlich ist und die meisten internationalen Züge zwischen Deutschland und der Schweiz mit SBB-Lokomotiven gezogen werden, die über zusätzliche Stromabnehmer für die ÖBB- und DB-Strecken verfügen.

 

 

Einzelnachweise


1) https://www.google.com/maps/place/47%C2%B019'59.0%22N+9%C2%B038'00.0%22E/@47.3507547,9.659026,18.82z/data=!4m2!3m1!1s0x0:0x0 Google Maps
2) Firma-Protokollirungen, Amtsblatt zur Wiener Zeitung, Nr. 178, 20. Juli 1871, S. 92

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vorarlbergbahn

 

Alle Fotos: bahnbilder.de

 

Video

 

Führerstandsmitfahrt Vorarlbergbahn Bregenz - Bludenz [HD]
fuehrerstand 07.08.2012
Datum: 4.8.2012
Zug: OIC 867 "Österreich liest."
Triebfahrzeug: ÖBB 1116 102
Wagensatz: ÖBB Reisezugwage
39:11
https://www.youtube.com/watch?v=6pguVcJdIEU
http://www.bahnvideos.net/401_01.html

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