Der vorletzte Betriebstag mit Personenverkehr auf der Pinkatalbahn, 5022 043 unterwegs bei Sinnersdorf, Markus U 30.07.2011

Pinkatalbahn

Die Pinkatalbahn (ungarisch Szombathely–Pinkafo-vasútvonal) ist eine Eisenbahnstrecke im Südburgenland (Österreich) und in der angrenzenden ungarischen Provinz Vas (Eisenburg). Der Name leitet sich vom Pinkatal ab, in dem ein Großteil der Strecke gebaut wurde. In Zusammenhang mit aktuellen Plänen zur Reaktivierung der Verbindung nach Ungarn wurde für die Bahnlinie der Name GrenzBahn kreiert.[1] In ihrer größten Ausdehnung verband sie die ungarische Stadt Szombathely (Steinamanger) mit Friedberg an der Wechselbahn. Eine Zweigstrecke führt von Oberwart nach Oberschützen. Bis 1921 war die Pinkatalbahn eine ungarische Strecke und der Verkehr war nach Steinamanger ausgerichtet. Die Verbindung nach Friedberg zur Wechselbahn wurde erst nach der Abtretung des Burgenlands von Ungarn an Österreich errichtet und 1925 eröffnet.

 

Derzeit wird nur der Abschnitt von Friedberg bis Oberwart für den Güterverkehr genutzt. Der Betrieb der Güterzüge erfolgt seit 2013 durch die Steiermärkischen Landesbahnen. Der reguläre Personenverkehr ist seit 2011 eingestellt.

 

Streckenverlauf der Pinkatalbahn, Thomas0829 07.03.2015

Geschichte

 

Der größte Teil der heutigen Pinkatalbahn wurde unter der Oberhoheit des Königreichs Ungarn erbaut, da das Burgenland bis 1921 ungarisches Staatsgebiet war. Die Entwicklung der Bahn ging somit von Szombathely (Steinamanger) aus, das heute noch ein wichtiger Eisenbahnknoten im westlichen Ungarn ist. Nach erfolgreicher polizeilich-technischer Überprüfung am 15. Dezember 1888 konnte am folgenden Tag die Steinamanger-Pinkafelder Lokalbahn AG die feierliche Eröffnung der Steinamanger-Pinkafelder Vicinalbahn vornehmen und am 17. Dezember 1888 den Betrieb von Szombathely über Rechnitz und Oberwart bis Alt Pinkafeld dem allgemeinen Verkehr übergeben.[2] Eine Zweigbahn, die Lokalbahn Felsoor-Felsolövo von Oberwart über Bad Tatzmannsdorf nach dem Bergbauort Oberschützen, folgte am 25. März 1903. Im benachbarten Tauchental befand sich ein Bergwerk, dessen Braunkohle mit einer Seilbahn nach Oberschützen transportiert wurde. Der Weitertransport erfolgte von dort mit der Eisenbahn. Eine Weiterführung dieser Bahn nach Kirchschlag in der Buckligen Welt war geplant, konnte aber aufgrund zu geringer Kapitaldeckung nicht umgesetzt werden.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg kam dieser Teil Ungarns durch den Vertrag von Saint-Germain 1921 zur Republik Österreich bzw. zu deren Staatsbahn; Rechnitz und Bucsu wurden Grenzbahnhöfe. Am 15. November 1925[3] erfolgte mit der Strecke Alt Pinkafeld–Friedberg an der Wechselbahn die Verbindung zum restlichen österreichischen Schienennetz. An dieses Ereignis erinnern Gedenktafeln an den Bahnhöfen in Pinkafeld und Friedberg (siehe Foto).

 

Am 12. Oktober 1944 griffen um etwa 14:30 Uhr aus Norden kommende, leichte englische Kampfflugzeuge im Tiefflug in Rohrbach an der Lafnitz den aus Rechnitz kommenden Personenzug 1548 an; der Lokführer Alfred Brenner wurde getötet, fünf Männer und zwei Frauen verletzt. Um 16.00 Uhr wurde der Bahnhof Friedberg von vier Jagdflugzeugen mit Bordwaffen beschossen, dabei wurden circa 20 Personen verletzt.

 

Am 28. Februar 1953 wurde der gesamte Verkehr zur ungarischen Staatsbahn östlich von Rechnitz unterbrochen und am 1. März 1953 der Grenzübergang geschlossen. Auf ungarischer Seite sind die Gleisanlagen mittlerweile weitgehend demontiert.

 

Die Schließung des Braunkohlebergbaus am 8. August 1968 bedeutete einen großen Verlust an Güterverkehrsvolumen für den Streckenabschnitt nach Oberschützen. Der Personenverkehr wurde nach und nach aufgegeben:

 

  • 18. Oktober 1982: Großpetersdorf–Rechnitz
  • 2. Juni 1984: Oberwart–Großpetersdorf
  • 30. Juni 1987: Oberwart–Oberschützen
  • 1. August 2011: Friedberg-Oberwart

 

Der fahrplanmäßige Personenverkehr von Friedberg nach Oberwart, beinhaltete zuletzt Direktverbindungen für Pendler bis Wien und Regionalverkehre bis Friedberg. Im Regionalverkehr waren Triebfahrzeuge der Baureihe 5022 in Verwendung, die mit Anfang Juni 2008 die Triebwagen 5047 ablösten. Im lokbespannten Personenverkehr (Eilzüge bis Wien) wurde vor allem die Baureihe 2016 mit City-Shuttle-Garnituren eingesetzt.

 

Noch im März 2010 wurde die immer wieder verschobene Verlängerung des Personenverkehrs bis Großpetersdorf für 2011 als sicher angenommen,[4] im April 2011 jedoch wurde bekannt gegeben, dass (unter anderem infolge eines jährlichen Abgangs von 500.000 Euro[5]) der schienengebundene Personenverkehr per 1. August 2011 eingestellt und durch einen Busverkehr ersetzt wird. [6]

 

Von 16. August 1989 bis Sommer 1997 führte die Südburgenländische Regionalbahn GmbH den Betrieb mit Dampfzügen und gelegentlichen Güterzügen zwischen Oberwart und Oberschützen weiter. Danach verfiel die Strecke und wurde unbefahrbar.

 

Aktuelle Entwicklung

 

Friedberg–Altpinkafeld–Oberwart

 

Die Strecke wird durch die ÖBB, seit 1. August 2011 nur noch im Güterverkehr betrieben. In einer Presseaussendung vom 31. Mai 2012 erklärte die Umweltsprecherin der Grünen Partei, Christiane Brunner, dass die ÖBB die komplette Stilllegung der Strecke beantragt hätten.[7] Laut dem SPÖ-Verkehrssprecher, Anton Heinzl, würde dieser Behauptung jedoch jede sachliche Grundlage fehlen.[8] Anfang Oktober 2012 wurde bekannt, dass die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria (RCA) den Güterverkehr auf der Strecke mit 31. Dezember 2012 beenden will.[9] Nachdem ursprünglich die gänzliche Auflassung des Güterverkehrs geplant war, wurde dieser Anfang April 2013 von den Steiermärkischen Landesbahnen (Steiermarkbahn) übernommen.[10]

Per 1. Dezember 2013 drohte auch dem Güterverkehr zwischen Friedberg und Oberwart das endgültige Aus. Wie aus einem Schreiben der ÖBB hervorging, wurde der Infrastrukturvertrag mit den Anschlussbahnbesitzern per 30. November 2013 aufgekündigt. Damit hätten die Anschlussweichen abgebaut werden müssen, so dass eine Bedienung nicht mehr möglich gewesen wäre. Davon betroffen wären das Holzwerk Kern, die Kelag, die Firma Austrotherm, das Ziegelwerk, die Lagerhäuser und Unger Steel gewesen, die ihre Transporte hinkünftig auf der Straße abwickeln müssten. Die Steiermärkischen Landesbahnen, die den Güterverkehr für die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria vertraglich übernommen haben, hätten somit dieser Tätigkeit nicht mehr nachkommen können. Der Landesverkehrskoordinator des Burgenlandes, Peter Zinggl, schloss dies jedoch aus und betonte: „Wir haben die Lösung quasi am Tisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, ist hoch.“[11]

 

Im April 2015 gab das Land Burgenland bekannt, dass das Land 2016 die Bahnstrecke von der ÖBB als wirtschaftlicher Eigentümer übernehmen werde, sodass zunächst der Güterverkehr auch weiterhin sichergestellt sei.[12][13] Mitte 2017 wurde der Kauf der Bahnstrecke Friedberg-Oberwart in einer Sitzung des Aufsichtsrates der Verkehrsinfrastruktur Burgenland (VIB) beschlossen, die Strecke soll vom Land Burgenland von der ÖBB übernommen werden, der Vertrag soll im September 2017 unterzeichnet werden. Bund, Land und Gemeinden sollen sich die Kosten teilen, der Bund soll 50 Prozent übernehmen.[14]

Im Dezember 2016 verkündete die Initiative ProBahn Südburgenland, dass das Güteraufkommen von 50.000 Tonnen im Jahr 2013 auf 100.000 Tonnen gestiegen sei.[15]

 

Oberwart–Rechnitz

 

Nach der Einstellung des Bahnbetriebs durch die ÖBB übernahm 1989 die Südburgenländische Regionalbahn GmbH (SRB) die Strecke und führte sie bis 2011 im Güterverkehr und als Märchennostalgiebahn im Personenverkehr. Wegen des schlechten Zustands der Strecke wurde der Betrieb Mitte November 2011 eingestellt.[16][17] Im Frühjahr 2013 wurde dieser Streckenabschnitt stillgelegt und die Straßenverkehrszeichen abgebaut.

 

Rechnitz–Szombathely

 

Die veränderte Situation nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Beitritt Ungarns zur Europäischen Union führten zu Bestrebungen, die Bahnverbindung Oberwart-Szombathely für den Güter- und Personenverkehr zu reaktivieren. Dafür wäre ein Neubau der Strecke zwischen dem Bahnhof Rechnitz und Szombathely, sowie die Sanierung der Strecke von Großpetersdorf bis Rechnitz erforderlich. Im Mai 2012 erklärte der burgenländische Gesamtverkehrskoordinator Peter Zinggl: "Die Tür ist aber nicht zu, es gibt Überlegungen, wie man die Zukunft der Bahn in Oberwart gestalten kann. Wir sind in Gesprächen über die Strecke Szombathely-Oberwart."[18]

 

Zweigstrecke Oberwart–Oberschützen

 

Seit 2003 wird die Strecke vom Verein FrOWOS reaktiviert. Seit 2008 fanden im Sommer Nostalgiefahrten mit Motordraisinen statt.[19]

 

Mit 31. Dezember 2009 lief der seit 2004 zugunsten von FrOWOS bestehende Streckenpachtvertrag aus. Da die Liegenschaftseigentümerin (Südburgenländische Regionalbahn GmbH bzw. Firma Schuch) die Trasse zu verkaufen beabsichtigte und die Finanzmittel von FrOWOS für einen Streckenerwerb nicht gereicht hätten,[20] stand die Museumsbahn Oberwart–Oberschützen im Dezember 2009 vor dem Aus.[21]

 

Im Frühjahr 2010 kaufte das Land die Linie Oberwart–Oberschützen von der Südburgenländischen Regionalbahn GmbH um 300.000 Euro mit dem Ziel, ab Mai den Weiterbetrieb von Museumszügen sicherzustellen.[22] Verwaltet wird die Museumsbahn nunmehr von der Kurbad Tatzmannsdorf Aktiengesellschaft.[23] betrieben wird sie nach wie vor vom Verein Freunde der Bahnlinie Oberwart-Oberschützen (FrOWOS).[24]

 

Per 30. April 2012 wurde der Betrieb auf behördliche Anordnung eingestellt. Es ist unklar, ob und wann der Museumsverkehr auf dieser Strecke wieder möglich sein wird.[25]

 

 

Einzelnachweise

 

Anmerkungen

  • 1) Am 10. April 1922 war Baubeginn nächst Pinkafeld. – Siehe: Von Pinkafeld nach Friedberg. In: Burgenländi-sche Freiheit. II. Jahrgang, Nr. 7/1922, ZDB-ID 2588385-9, S. 4, unten rechts. – (Volltext online).

 

Video

 

Die Südburgenländische Regionalbahn
Aufnahmen aus den letzten Betriebsjahren auf der Strecke Großpetersdorf - Rechnitz
dinosaurustaurus
4:38

 

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