Mühlkreisbahn

Die Mühlkreisbahn ist eine normalspurige, eingleisige Nebenbahnstrecke der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und führt vom Bahnhof Linz Urfahr durch das nördlich der Donau gelegene Mühlviertel in Oberösterreich nach Aigen-Schlägl am Fuß des Böhmerwaldes. Zum Zweck des Bahnbaus wurde die Mühlkreisbahn-Gesellschaft in Urfahr gegründet.

 

Geschichte

 

Die erste Diskussion über eine Bahnlinie in das Obere Mühlviertel fand 1869 statt. Damals wollten einflussreiche Persönlichkeiten eine Bahnlinie von Wels über Aschach nach Rohrbach, eine Oberösterreichische Nordbahn, errichten. Mit einer Pferdebahn von Landshaag über Ottensheim nach Urfahr sollte die Landeshauptstadt Linz angebunden werden. Die Wirtschaftskrise 1873 vereitelte diese Pläne.

 

Im Jahr 1880 wurde dann die Linienführung ab Linz über Neufelden und Rohrbach nach Aigen diskutiert. Haslach sollte durch eine Stichstrecke angeschlossen werden. Die Orte Leonfelden und Haslach verweigerten die Zustimmung und wollten stattdessen die Verbindung von Linz-Urfahr über das Rodltal, Zwettl, Leonfelden und Haslach nach Rohrbach verwirklichen. Die Regierung wollte ein billigeres Projekt realisieren, die Verbindung von Summerau (Summerauer Bahn) über Leonfelden und Haslach nach Aigen. 1882 wurde immer noch die Linienführung über Neufelden und Rohrbach bevorzugt, und für diese Variante konnte mehr Kapital aufgetrieben werden als für die anderen Varianten.

 

Da sich die Linienführung über Neufelden durchsetzte, wurde nur mehr die Anbindung der Bezirkshauptstadt Rohrbach diskutiert. Die Bahn sollte entweder der Großen Mühl über Haslach bis Aigen folgen oder entlang des Froschbachs über Rohrbach verlaufen. Letztlich wurde die sogenannte Krennbach-Linie ausgeführt, die sowohl Haslach als auch Rohrbach notdürftig an die Bahnlinie anschloss.

 

 

Nach Kundmachung des Gesetzes vom 29. April 1885, betreffend die Zugeständnisse und Bedingungen für den Bau der Mühlkreisbahn[1] (Abänderungen 1888[2] sowie 1901[3]), wurde am 6. Juni 1885 mit dem Bau der Bahn begonnen. Gleichzeitig wurde in Linz mit der Produktion von fünf Lokomotiven begonnen, welche auf die Namen Linz, Urfahr, Neufelden, Rohrbach und Aigen getauft wurden.[4] Am 28. Juli 1886 erfolgte die Erteilung der Konzession zum Bau und Betrieb der normalspurigen Eisenbahn[5].

 

Die Eröffnungsfahrt fand am 17. Oktober 1888 vom Mühlkreisbahnhof aus statt.[6] Ab 1. Mai 1901 führte die Staatsbahn den Betrieb im Auftrag der Gesellschaft, die im Mai 1942 verstaatlicht wurde. Während die Personenzüge noch immer im Bahnhof Urfahr beginnen, der durch die Linzer Straßenbahn mit dem Hauptbahnhof verbunden ist, wurde für den Güterverkehr eine staatliche Verbindungsbahn zum Hauptbahnhof Linz am 14. November 1900 eröffnet. Die geplante Verlängerung und der Anschluss an das deutsche Bahnnetz in Wegscheid und an das böhmische Bahnnetz in Salnau wurden infolge des Ersten Weltkrieges nicht verwirklicht.

 

Strecke

 

Die 58 km lange Strecke beginnt im Bahnhof Linz Urfahr (vulgo „Mühlkreisbahnhof“) im Linzer Stadtteil Urfahr, führt zunächst am nördlichen Donauufer entlang und ab Ottensheim dann weiter landeinwärts in nordwestlicher Richtung im Tal der Rodl bis kurz vor Rottenegg. Danach folgt eine 5 km lange Steilstrecke mit einer Adhäsionssteigung von 46 ‰ im Saurüsselgraben parallel zur B 127 von 268 m ü. A. nach Lacken (440 m ü. A.). Weiter bergan geht es bis Gerling OÖ, wo die Strecke in einer Rechtskurve in den Talverlauf des Pesenbaches einschwenkt, ehe vor der Station Neuhaus-Niederwaldkirchen nahe Drautendorf (556 m ü. A.) wieder ein Anstieg folgt. Durch das Diesenbachtal abwärts wird am Bahnhof Neufelden (447 m) das tiefe Tal der Großen Mühl erreicht, bei deren Hangtrassierung mehrere Tunnel notwendig sind[7].

 

Um die Bezirkshauptstadt Rohrbach-Berg anzubinden, verlässt die Bahnstrecke kurz vor Haslach das Tal der Großen Mühl und folgt dem Almesmühlbach. Nach Überwindung einer Höhe von 627 m am Bahnhof Rohrbach, wird ab Oepping das Tal des Kren(n)baches, wiederum parallel der B 127 bis zur Großen Mühl verfolgt, ehe nach einem Haltepunkt an der Prämonstratenserabtei Schlägl der Endbahnhof Aigen-Schlägl in 565 m ü. A.[8] erreicht wird.

 

Bahnhof Linz Urfahr
Desiro-Garnitur auf der Mühlkreisbahn zwischen Linz und Puchena
Das Gleis der Mühlkreisbahn zwischen der Donau und der B127
Haltestelle Puchenau-West am späten Abend
Die Mühlkreisbahn zwischen Haslach und Rohrbach

Fahrplan

 

Überwiegend gibt es nach Aigen-Schlägl einen 2-Stunden-Takt, der abschnittsweise verdichtet wird. Auf dem Streckenstück Rottenegg – Linz-Urfahr wird jedoch im Berufsverkehr vorwiegend ein 15-Minuten-Takt angeboten, sonst gibt es einen 30- bis 45-Minuten-Takt. Die Symmetriezeit stimmt bis Rottenegg mit der sonst in Mitteleuropa üblichen überein. Die Kreuzungen finden in Neuhaus-Niederwaldkirchen, Haslach, Ottensheim und Puchenau-West statt. Zwischen Linz und Rottenegg ist die Mühlkreisbahn eine Selbstbedienungsstrecke.

 

Ein 5022 (Desiro) im Bahnhof Linz Urfahr

Fahrzeuge

 

Die Mühlkreisbahn erwarb als Erstausstattung 1888 fünf Lokalbahnmaschinen bei Krauss in Linz. Sie hatten die Namen Uhrfahr, Aigen, Linz, Neufelden und Rohrbach. Die kkStB bezeichnete die Maschinen zunächst als 94.61–65, ab 1905 als 494.61–65.

 

Im Personenverkehr werden heute Dieseltriebwagen der Reihe 5047, sowie seit dem Jahr 2005 Triebwagen der Reihe 5022 (Desiro) eingesetzt.

 

Für das an Werktagen außer Samstag verkehrende Güterzugpaar zwischen Linz Vbf und Linz Urfahr wird eine Diesellok der Baureihe 2070 eingesetzt. Zwischen Linz Urfahr und Aigen-Schlägl wurde der Güterverkehr eingestellt.

 

Cityshuttle-Wendezug in Linz-Urfahr

Ausbaupläne

 

Nach der Errichtung bestanden Ausbaupläne in Richtung Bayern und Böhmen. 1909 begannen Detailplanungen für eine Streckenverbindung von Aigen über Schwarzbach und Stuben zur Bahnstrecke Budweis–Salnau (1892 errichtet, heute Ceské Budejovice–Nová Pec). Zusätzlich waren noch eine Verlängerung bis Schwarzenberg und Verbindungen von Rohrbach nach Wegscheid und nach Obermühl, eine Linie Neufelden - Lembach – Hofkir-chen und eine Anbindung über Aschach nach Wels geplant. Der Erste Weltkrieg und der Zerfall der Donaumonarchie verhinderten diese Pläne.

 

Aktuelle Ausbaupläne beschäftigen sich dagegen vor allem mit einer verbesserten Einbin-dung der Mühlkreisbahn in das Linzer Nahverkehrsnetz. Zwei Varianten, die Verlängerung als S-Bahn und die Umwandlung in eine Straßenbahn, sind im Gespräch.

 

Der Bau einer S-Bahn in Linz wurde erstmals 1992 erwogen.[9] Die Ausbaupläne sehen die Errichtung einer S-Bahn zwischen dem Mühlkreisbahnhof und dem Hauptbahnhof mit Streckenführung über die Peuerbachstraße, die Hafenstraße, die Garnisonstraße und den Europaplatz vor.[10]

 

Die zweite diskutierte Variante ist die vom ehemaligen Verkehrslandesrat Erich Haider (SPÖ) angeregte Umwandlung der Mühlkreisbahn in eine Überlandstraßenbahn. Die Strecke soll großteils unterirdisch durch das Stadtgebiet bis zum Hauptbahnhof weitergeführt werden.[11] Wegen der damit verbundenen Umstellung auf eine Schmalspurbahn und der daraus resultierenden Benachteiligung der Gemeinden des oberen Mühlviertels, fordern die dort liegenden Gemeinden allerdings einen Ausbau der Normalspurbahn.[12]

 

Eine Expertenkommission des Landes OÖ empfiehlt eine Kombination beider Varianten: die Mühlkreisbahn soll demnach als S-Bahn zum Hauptbahnhof geführt werden, zusätzlich eine weitere Straßenbahnlinie östlich der Innenstadt nach Norden führen.[13] Mit einer Verwirklichung der Pläne ist nicht vor 2025 zu rechnen.[14]

 

Die Landesregierung plante die Strecke von der ÖBB in eine landeseigene Infrastrukturgesellschaft zu übernehmen und als auf 900 mm (Linzer Spurweite) umgespurte Regio-Tram direkt in das Linzer Stadtzentrum fahren zu lassen.[15]

 

Linzer Verbindungsbahn

 

Die Strecke zwischen dem Bahnhof Linz Urfahr und der Westbahn wird als Linzer Verbindungsbahn bezeichnet, sie ist wie die Mühlkreisbahn nicht elektrifiziert. Die Verbindungsbahn beginnt in Urfahr und folgt zunächst der Reindlstraße. Vor der Linken Brückenstraße biegt die Strecke nach Süden ab und kreuzt die Linzer Straßenbahn. Die Gleise der Verbindungsbahn biegen dann auf die Linke Brückenstraße und führen über die Eisenbahnbrücke. Da diese zu eng ist, wird bei einer Zugüberquerung die Eisenbahnbrücke für den Individualverkehr gesperrt. Während die Rechte Brückenstraße von der Eisenbahnbrücke nach Westen führt, verlaufen die Gleise geradeaus an den Industriegebäuden vorbei. Beim Stadthafen speisen auch andere Gleise von den Industriegebäuden in die Verbindungsbahn. Die Verbindungsbahn folgt im weiteren Verlauf der Mühlkreis-Autobahn, unterquert die Summerauerbahn und mündet schließlich in die Westbahn.

 

Ursprünglich fuhren täglich ein bis zwei Zugpaare auf der Verbindungsbahn. So konnten beispielsweise defekte Züge der Mühlkreisbahn über die Verbindungsbahn in das TS-Werk Linz gebracht werden.

 

Am 1. Dezember 2015 wurde der Streckenteil zwischen dem Bahnhof Stadthafen und der Wildbergstraße eingestellt und von der Linz AG übernommen.[16] In Rottenegg wurde eine Wartungshalle für die Züge errichtet, die somit bis 2019 auf der Mühlkreisbahn verkehren können ohne überführt werden zu müssen.[17]

 

Eine Lokomotive der ÖBB-Reihe 2016 auf der inzwischen abgerissenen Linzer Eisenbahnbrücke
inzwischen abgebaute Kreuzung mit der Straßenbahn
Gleis in der Reindlstraße

 

 

Museales

 

Lokomotive Aigen vor dem Museum

In Rohrbach-Berg ist ein Museum zur Mühlkreisbahn mit der Präsentation der Geschichte von Bahnstationen der Mühlkreisbahn eingerichtet. Ausgestellt ist auch die Lokomotive Aigen, die bis 1910 auf der Strecke eingesetzt wurde.[18]

 

Am Samstag, dem 30. August 2008 brachten die ÖBB in Kooperation mit dem BSV Linzer Eisenbahner am Bahnhof Linz-Urfahr einen Sonderpoststempel zum 120-jährigen Jubiläum heraus.[19]

 

Einzelnachweise

 

1)   R. G. Bl. Nr. 65 ex 1885
2)   Gesetz vom 29. Juni 1888, über die theilweise Abänderung des Gesetzes vom 29. April 1885 (R. G. Bl. Nr. 65), betreffend die Zugeständnisse und Bedingungen für den Bau der Mühlkreisbahn.
3)   Kundmachung des Eisenbahnministeriums vom 5. Juni 1901, betreffend die Abänderung einiger Bestimmungen der Allerhöchsten Concessionsurkunde vom 28. Juli 1886, R. G. Bl. Nr. 136, für die Localbahn Linz-Urfahr nach Aigen (Mühlkreisbahn).
4)   http://www.pospichal.net/lokstatistik/14037-muehlkreisbahn.htm
5)   Concessionsurkunde vom 28. Juli 1886, für die Localbahn Linz—Urfahr nach Aigen (Mühlkreisbahn).
6)   http://www.bahnorama-tv.com/news/index.php/news,194,Erlebnis_M%C3%BChlkreisbahn
7)   http://www.eisenbahntunnel.at/inhalt/tunnelportale/25801.html Bilder der Tunnelportale
8)   Baugeschichte. 8. Januar 2008, archiviert vom Original am 22. April 2009, abgerufen am 24. März 2014.
9)   City-S-Bahn - Utopie oder Zukunftsperspektive. 30. Dezember 2007, archiviert vom Original am 13. Februar 2012, abgerufen am 24. März 2014.
10) City-S-Bahn vom Hauptbahnhof Linz zum Mühlkreisbahnhof. Land Oberösterreich, abgerufen am 24. März 2014.
11) Linz: Wird Mühlkreisbahn eine Stadtbahn? In: Eurailpress. 29. August 2008, abgerufen am 24. März 2014.
12) Zugkunft Mühlkreisbahn
13) Andreas Kremsner: Linz soll City-S-Bahn und zusätzlich noch eine Straßenbahn bekommen. In: nachrichten.at. 8. August 2009, abgerufen am 24. März 2014.
14) http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Muehlkreisbahn-neu-kostet-bis-zu-100-Millionen-Euro;art4,2427299
15) http://derstandard.at/1303291086776/Muehlkreisbahn-Aus-Regio-Liner-wird-die-Regio-Tram
13) Bescheid des BMVIT - GZ. BMVIT-225.021/0003-IV/SCH5/2014
17) Eurailpress.de: Österreich: Linzer Eisenbahnbrücke noch bis November befahrbar 28. August 2015, zuletzt abgerufen 17. Oktober 2015.
18) Mühlkreisbahnmuseum
19) Die Briefmarke und Post.Philatelie, Ausgabe August 2008
20) Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
21) Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
22) Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
23) Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
24  Bestandsnachweis Österreichischer Bibliothekenverbund
25) Bestandsnachweis Österreichischer Bibliothekenverbund
26) Bestandsnachweis Österreichischer Bibliothekenverbund
27) Bestandsnachweis Österreichischer Bibliothekenverbund

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BChlkreisbahn

 

 

 

Video

 

Mühlkreisbahn - Führerstandsmitfahrt von Linz Urfahr nach Aigen-Schlägl
Die Mühlkreisbahn ist eine eingleisige Nebenbahnstrecke der ÖBB und führt vom Bahnhof Linz Urfahr durch das nördlich der Donau gelegene Mühlviertel in Oberösterreich nach Aigen-Schlägl am Fuß des Böhmerwaldes.
Harald Peter Kieberger 17.10.2012
1:25:39


Der letzte Güterzug: Unterwegs mit der 2043 005 auf der Mühlkreisbahn
Am 4. und 5. September 2014 wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte ein Fotogüterzug auf der Mühlkreisbahn veranstaltet. Es war höchstwahrscheinlich der letzte Güterzug, der die Gesamtstrecke von Linz Urfahr nach Aigen-Schlägl befuhr, da mit April 2015 die Verbindung zum ÖBB-Netz durch die Schließung der Linzer Eisenbahnbrücke abgekappt wird.
Leo Hartinger 05.09.2014
7:32

 

Mühlkreisbahn
ÖBB 5022 Desiro - Doppeltraktion - Überstellfahrt Reindlstraße

fat freddy 06.08.2015
0:53

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