Schnellzug in Bahnhof Horažďovice předměstí, Michal Blaha 19.07.2008

 

 

 

 

Bahnstrecke

České Budějovice–

Plzeň

Die Bahnstrecke České Budějovice–Plzeň ist eine elektrifizierte Hauptbahn in Tschechien, die ursprünglich durch die k.k. priv. Kaiser-Franz-Josephs-Bahn (KFJB) als Teil ihrer Hauptverbindung Wien–Eger errichtet und betrieben wurde. Sie verläuft in Südwestböhmen von České Budějovice (Budweis) über Strakonice und Horaždovice nach Plzeň (Pilsen). Die Strecke ist Teil des TEN-T Verkehrsnetzes (TEN-T comprehensive network).

 

Geschichte

 

 

Schnellzug im Bahnhof Horažďovice předměstí (2008)

 

Die Strecke wurde am 1. September 1868 eröff-net. Danach waren nur folgende Stationen (Haltestellen) in Betrieb: Budweis, Frauenberg, Netolic, Wodnian, Protiwin (Haltestelle), Ražice-Pisek, Čejtic (Haltestelle), Strakonic, Katowic (Haltestelle), Horažďowic, Wolšan, Nepomuk, Blowitz, Ždár-Zdirec (Haltestelle), Stiahlau, Plzenec (Haltestelle) und Pilsen.[1][2] Der ge-plante Bahnhof in Ždírec wurde aufgrund des Widerstands von Anwohnern nicht gebaut.[3] 1873 wurde die Haltestelle in Plzenec zum Bahnhof umgebaut.[4] Der Protivíner Bahnhof wurde erst später während des Baus der staatlichen Rakonitz–Protivíner Bahn errichtet; diese wurde 1875 in Betrieb genommen. Der Bahnhof Nezwěstitz wurde mit der Bahnstrecke Mirošov - Nezvěstice 1883 in Betrieb genommen.[5] Am 1. Mai 1884 wurde die Bahngesellschaft verstaatlicht und die Strecke gehörte fortan zum Netz der k.k. österreichischen Staatsbahnen (kkStB).

 

Vereinfachtes Höhenprofil der Bahnstrecke České Budějovice–Plzeň

 

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden Bauten für die Erhöhung der Bahnkapa-zität geplant. Das zweite Gleis im Abschnitt Horažďovice předměstí - Nepomuk, wo der steilste Anstieg ist, wurde im April 1905 in Betrieb genommen. Hier wurde im Gegensatz zum nieder-österreichischen Abschnitt der Bahnstrecke rechts gefahren. In dieser Zeit (Sommersaison 1904 und 1905) fuhren hier auch die Luxuszüge, die von Wien via Marienbad nach Berlin unterwegs waren.[6][7] Der große Bahnhofsumbau in České Budějovice erfolgte in den Jahren 1904 bis 1908. Personen- und Güterverkehr wurden in diesem Knoten getrennt und die Strecken Linz - Prag und Wien - Plzeň niveaufrei miteinander gekreuzt.[8] Das zweite Gleise in anderen Abschnitten der Bahnstrecke wurde nicht mehr gebaut, der Erste Weltkrieg kam dem zuvor.

 

Bahnhof Nepomuk (2008)

 

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns im Oktober 1918 ging die Strecke an die neu gegründeten Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) über. Sie wurde fortan von der Staatsbahndirektion (Ředitelství státních drah) Plzeň verwaltet. Aus einer zu der ehemaligen Hauptstadt Wien radialen Strecke wurde eine Tangente zur neuen Hauptstadt Prag. Die neu gegründete Tschechoslowakei hatte

andere Bahninvestitionsprioritäten als den Bau eines zweiten Gleises an dieser Bahn. Größere Wichtigkeit zu dieser Zeit hatten z. B. die noch eingleisigen Strecken Zdice–Plzeň und Česká Třebová–Olomouc wie auch die Spitzkehre in Břeclav für Züge zwischen Brno und Bratislava und die Spitzkehre in Přerov für Züge zwischen Olomouc und Ostrava oder der Ausbau der zweiten (südlichen) Verbindung zwischen Bratislava und Košice. 1930 wurde eine Straßenunterführung in Nezvěstice gebaut.[5]

 

Im Zweiten Weltkrieg lag die Strecke zur Gänze im Protektorat Böhmen und Mähren. Betreiber waren jetzt die Protektoratsbahnen Böhmen und Mähren (ČMD-BMB). Nach dem Krieg kam die Strecke wieder vollständig zu den ČSD.

 

Anfang der 1960er-Jahre begann die ČSD von Plzeň ausgehend mit der Elektrifizierung. Erstmals auf dem Gebiet der Tschechoslowakei ver wendete man eine Fahrleitungsspannung von 25 kV 50 Hz Wechselstrom. Die Eröffnungsdaten des elektrischen Zugbetriebs zeigt die Tabelle.

 

Das zweite Gleis im Abschnitt Zliv–Číčenice wurde in den 1980er-Jahren zur Erhöhung der Streckenkapazität für das Kernkraftwerk Teme-lín gebaut.

 

Am 1. Januar 1993 ging die Strecke im Zuge der Auflösung der Tschechoslowakei an die neu gegründeten České dráhy (ČD) über. In den Jahren 1993 bis 1999 diente Výhybna Nemanice II als RoLa-Terminal für die Rollende Landstraße nach Villach.[9] 36.791 Lastkraftwagen wurden transportiert.[10]

 

Seit 2003 gehört die Bahnstrecke zum Netz des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa železniční dopravní cesty (SŽDC). In den Jahren 2011 bis 2013 erfolgten Bauarbeiten in dem Abschnitt Bahnhof České Budějovice (teilweise) - Pražská ulice als Teil der zu modernisierenden Bahnstrecke České Budějovice–Praha.

 

Bahnhof Strakonice (2008)

Verkehr

 

Im Schienenpersonenfernverkehr verkehren Schnellzüge im Zweistundentakt in den Relatio- nen Brno–Plzeň und České Budějovice–Protivín–Praha.

 

Im Schienenpersonennahverkehr des Jahresfahr- plan 2013 wird die Strecke jeweils im Zwei- stundentakt von den Personenzügen der Relati- onen České Budějovice–Strakonice und Horaž-ďovice předměstí–Plzeň bedient. Werktags ver- kehren zwischen Blovice und Kozolupy zusätz- lich zweistündlich Züge der „Plzeňska linka“.

Bahnhof Číčenice (2010)

Zwischen Strakonice und Horažďovice předměstí gibt es außer einigen wenigen Zügen des Berufsverkehrs keinen regelmäßig verkehrenden Schienenpersonennahverkehr mehr.[11]

 

 

Zukunft

 

In Zukunft ist ein durchgängig zweigleisiger Ausbau geplant. Schnellfahrende Reisezüge mit Halt in Nepomuk, Horažďovice předměstí, Strakonice und Protivín sollen die Strecke perspektivisch in we-niger als 90 Minuten bewältigen. Vorerst soll der Bahnhof Strakonice erneuert werden. Dort sollen in den Jahren 2014 bis 2015 zwei neue Inselbahnsteige angelegt werden.[veraltet]

 

 

Einzelnachweise

1) Fahrordnung der Personen- und Gemischten Züge auf der Strecke Budweis - Pilsen am 9. September 1868. In: Wiener Zeitung, 1. September 1868, S. 11 (Online bei ANNO)

2) Jan Viktora: Počátky železnice v Českých Budějovicích, 2011.

3) Miroslav Kunt: Železnice & historie, 2004.

4) Mojmír Krejčiřík: Česká nádraží IV, první část. Vydavatelství dopravní literatury, Litoměřice, 2013. S. 168. ISBN 978-80-86765-21-1 (für Vorschau siehe: <http://vcpd.cvut.cz/UserFiles/File/nahled.pdf>)

5) Nezvestice.cz: Významné stavby a zařízení

6) http://www.trains-worldexpresses.com/600/604.htm

7) Michal Bláha a Tomáš Kraus: Z Českých Budějovic do Vídně za necelé tři hodiny. Dočkáme se?, Zelpage.cz, 2010.

8) Jan Viktora: Přestavba českobudějovického železničního uzlu v letech 1904 – 1908, 2011.

9) http://logistika.ihned.cz/c1-56528970-mozna-zeleznicni-alternativa-k-dalnici-d1

10) http://www.schp.cz/en/odborne-akce/getfile?format=raw&file=71

11) Fahrplan der ČD - gültig ab 9. Juni 2013 (PDF; 479 KiB)

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/

 

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