Franz-Josefs-Bahnhof, Thomas Steiner 14.10.2007

Franz-Josefs-Bahn

 

Als Franz-Josefs-Bahn bezeichnen die Österreichischen Bundesbahnen heute den auf österreichischem Staatsgebiet gelegenen Teil der Hauptbahn, die ursprünglich Wien mit Eger verband und von der k.k. priv. Kaiser Franz Josephs-Bahn erbaut und bis 1884 betrieben wurde. Sie verläuft von Wien Franz-Josefs-Bahnhof über Wien Heiligenstadt, Tulln sowie Wein- und Waldviertel bis Gmünd NÖ.

 

 

Geschichte

 

Die Strecke (Budweis–) Gmünd–Eggenburg wurde 1869 eröffnet, die Strecke Eggenburg–Wien 1870.[3][4] Der Streckenverlauf erscheint ungewöhnlich, da die zwei Bezirkshauptstädte Horn und Waidhofen an der Thaya nicht berührt werden. Planungsvarianten sahen auch eine Linienführung über die genannten Städte vor, letztlich fiel die Entscheidung aber für das ausgeführte Projekt.

 

Am 4. November 1875 entgleiste bei Schwarzenau auf einem 10 Meter hohen Damm in 5 ‰ Gefälle in einer Kurve, wo die Strecke auf eine Brücke zulief, gegen 0:30 Uhr der Personenzug Nr. 9 von Wien nach Prag entlang der Tangente des Kurvenbogens, weil ein Schienenstück gelockert worden war. Mindestens neun Menschen starben bei diesem Zwischenfall.
 

Mit dem Bau der 1889 eröffneten Kamptalbahn und der ab 1891 eröffneten Thayatalbahn erhielten Horn und Waidhofen später Anschluss an die Hauptstrecke.

 

Die Bahnlinie wurde von 1889 bis 1905 zweigleisig ausgebaut. 1959 wurde das zweite Gleis zwischen Sigmundsherberg und Gmünd, 1967 zwischen Absdorf-Hippersdorf und Sigmundsherberg abgetragen; seither wird nur mehr die Strecke zwischen Wien und Absdorf-Hippersdorf zweigleisig betrieben. Während bis in die 1990er Jahre Züge nach Prag und Berlin (Vindobona-Express) noch über die Franz-Josefs-Bahn fuhren, ist die Strecke heute nur noch von regionaler Bedeutung. Die schneller befahrbare Nordbahn mit Anschluss nach Brünn übernahm den Hauptteil des Bahnverkehrs in Richtung Tschechien.

 

Von Dezember 2005 bis Dezember 2009 fuhren täglich zwei internationale Züge auf der Franz-Josefs-Bahn: nach Budweis („Silva Nortica“) und nach Pilsen via Budweis („Hopfen & Malz“). Im Fahrplan 2009 wurden die zwei internationalen Züge als ER (EuRegio) geführt und nur mehr bis Budweis geführt. Von 22. März 2009 bis einschließlich 26. Oktober 2009 wurde ein internationaler Zug wegen der Sanierung der Tullner Donaubrücke in zwei Teilen geführt; der eine von Wien bis Tulln, der andere von Stockerau über Absdorf-Hippersdorf bis Gmünd, NÖ. Seit dem Fahrplan 2010 verkehren keine ER-Züge mehr, statt ihnen verkehrt ein REX (Regional EXpress) in einem annähernden 2-Stunden-Rhythmus von Wien FJB bis Ceské Velenice und retour. Der REX „Silva Nortica“ fährt seit der Fahrplanänderung 2011 nur mehr von Wien nach Gmünd; von Ceske Velenice bestehen an Werktagen zweistündlich Anschlüsse nach Budweis.


Zugverkehr


Auf der Franz-Josefs-Bahn verkehren Regionalzüge nach Sigmundsherberg, Gmünd/Ceske Velenice, Krems sowie St. Pölten. Die Zugkreuzungen im eingleisigen Abschnitt zwischen Absdorf-Hippersdorf und Gmünd, NÖ finden stündlich in Limberg-Maissau und zweistündlich in Irnfritz statt. Bei Verspätungen oder in der HVZ finden auch Kreuzungen in Eggenburg oder Ziersdorf statt.

 

Bahnhof Sigmundsherberg, Blick in Richtung Gmünd, NÖ
2143 mit Zug in Richtung Gmünd in Sigmundsherberg (1988). Die Strecke bis Gmünd wurde erst in den 1990er-Jahren elektrifiziert.
Sanierung des Brückenpfeilers der Donaubrücke in Tulln, 2009

Rollmaterial

 

Die REX bestehen größtenteils aus Mehrsystemlokomotiven der ÖBB-Reihe 1116 und CityShuttle- oder Wiesel-Doppelstock-Wendezügen, weil es an der Staatsgrenze einen Wechsel der Stromsysteme gibt. Manche in Gmünd endende Züge werden auch mit ÖBB 1142 oder ÖBB 1144 bespannt. Von Juli 2012 bis Dezember 2015 wurde das Zugpaar 2105/2110 mit Eurofima-Wagen geführt. Seit Anfang Juni 2013 werden die meisten REX-Züge mit einer ÖBB 1116 und drei oder vier Doppelstock-Wagen inklusive Steuerwagen geführt, um hier die Funktionalität der Einrichtungen für den zugbegleiterlosen Betrieb überprüfen zu können. Der schaffnerlose Betrieb auf den REX-Zügen Gmünd/Ceske Velenice–Wien wurde mittlerweile wieder aufgegeben. Zusätzlich zu den ÖBB Tauri kommen derzeit (Fahrplan 2016) auch zwei Lokomotiven der Baureihe 470 der ungarischen Staatsbahnen MÁV im Kilometerausgleich zwischen Wien und Tschechien zum Einsatz. Die REX-Züge, die in Sigmundsherberg beginnen oder enden, werden größtenteils von Triebwägen der Baureihe ÖBB 4020 geführt.

Weiters planen die ÖBB im Fahrplan 2017 den Einsatz der Triebwägen der Baureihe 4744 (cityjet), welcher zumindest die alten Schnellbahnzüge und einen Teil der Cityshuttle-Züge ersetzen soll.

 

 

 

Unfälle

 

Am 25. September 2015 ereignete sich ein schweres Zugunglück unweit des Bahnhofes Allentsteig: Ein mit einem Holzerntegerät beladener Sattelschlepper blieb auf einer Eisenbahnkreuzung direkt östlich des Bahnhofes Allentsteig hängen und wurde in der Folge mit knapp 100 km/h vom REX 2150 (Wien FjBf – Gmünd NÖ; ÖBB 1144 286 führend) erfasst. Der Triebfahrzeugführer verstarb an der Unfallstelle, der Fahrer des LKW war noch vor der Kollision aus dem Führerhaus geflüchtet.[5]

 

Einzelnachweise

1) gmuend.at, Jubiläumsfahrt "140 Jahre Franz-Josefs-Bahn", 23. September 2010

2) Deutsche Reichsbahn (Hrsg.): Fahrplan 1944/1945 KBS 461. 3. Juli 1944 (Online [abgerufen am 13. Juli 2013]).

3) Kundmachung der Eröffnung der Strecke am 23. Juni 1870. In: Wiener Zeitung, 21. Juni 1870, S. 7 (Online bei ANNO)

4) Fahrordnung vom 24. November 1870. In: Wiener Zeitung, 3. Dezember 1870, S. 14 (Online bei ANNO)

5) http://www.ff-goepfritz.at/index.php/einsaetze/technische-einsaetze/419-lkw-gegen-zug-auf-der-franz-josef-bahn-in-der-kg-thaua

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz-Josefs-Bahn_(%C3%96sterreich)

 

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