Erzbergbahn - Hochbruckengrabenviadukt (2), Haeferl 27.09.2015

Erzbergbahn

Die Erzbergbahn[1] ist eine Eisenbahnstrecke in der Obersteiermark, die die Südbahnstrecke mit der Rudolfsbahn verbindet und über den Präbichl (1204 m) führt. Bis 1978 wurde ihr mittlerer Abschnitt als Zahnradbahn betrieben. Reguläre Transporte finden heute nur mehr in Form von Güterverkehr zwischen Leoben und Trofaiach sowie Eisenerz-Krumpental und Hieflau statt, während die Bergstrecke als Museumsbahn dient.

 

Die 97.217 wurde als Denkmal auf dem Hauptplatz von Vordernberg aufgestellt.
Schienenbus der Reihe 5081 im Bahnhof Erzberg
Erzverladeanlage im Bahnhof Erzberg

Geschichte

 

Schon im Jahre 1864 wurde die Strecke zu den „nothwendig anerkannten Projecten“ gezählt.[2] Die Bahnstrecke entstand zunächst in Form von zwei Stichlinien: von Leoben nach Vordernberg (eröffnet am 18. Mai 1872)[Anm. 2] sowie von Hieflau nach Eisenerz (6. Jänner 1873). 1881 ging dann die Innerberger Hauptgewerkschaft in der Österreichischen Alpine Montangesellschaft auf und 1888 wurde mit Planung und Bau des Abschnitts über den Präbichl begonnen. Am 10. Oktober wurde die Konzession erteilt[3] und ausgeführt wurde der Bau von der 8. Mai 1889 gegründeten Aktiengesellschaft Localbahn Eisenerz-Vordernberg, die zur Österreichischen Alpine Montangesellschaft gehörte.[4] Erster Abschnitt war eine Teststrecke durch Vordernberg. Am 25. Mai 1891 konnte die Bahnstrecke von Vordernberg auf die Passhöhe eröffnet werden. Allerdings war ein Befahren nur bis etwa zur Hälfte möglich (Haltestelle „Glaslbremse“), weil der Wasservorrat für die Dampfmaschine nicht weiter reichte. Erst als im Juni desselben Jahres der Wasserkran in Glaslbremse fertiggestellt war, war die Weiterfahrt zum Bahnhof Präbichl möglich. Am 18. August wurde auch das nördliche Teilstück nach Eisenerz in Betrieb genommen; am 15. September 1891 folgte die feierliche Eröffnung, vorläufig nur für den Güterverkehr. Im darauf folgenden Sommer wurde der Personenverkehr aufgenommen. Schon während des Baus hatte sich auf Grund von Finanzierungsproblemen die Liquidation der Aktiengesellschaft angekündigt und mit 31. Oktober 1893 wurde die Strecke endgültig in das staatliche Liniennetz übernommen.[2]

 

Ab 1971 wurde der Zahnradbetrieb Schritt für Schritt auf einen reinen Adhäsionsbetrieb mit Schienenbussen und Diesellokomotiven umgestellt. Dieses Unterfangen erlebte einen Rückschlag, nachdem am 5. November 1976 eine Verschublokomotive der Reihe 2067 außer Kontrolle geriet, entgleiste und über eine Böschung abstürzte, nachdem sie zuvor etwa die halbe Strecke von Präbichl in Richtung Vordernberg ungebremst bergab gerollt war. Trotzdem wurde die Umstellung vorangetrieben und in die für die Führung der Erzzüge vorgesehenen Dieselloks Reihe 2043 zusätzliche Sicherheitssysteme (Schienenbremse und Geschwindigkeitsüberwachung) eingebaut (2043.5xx). Am 30. September 1978 fuhr der letzte Dampfzug über die Erzbergbahn, am 6. Dezember auch die letzte Diesellok mit Zahnradantrieb. Trotz Protesten von Eisenbahnfreunden wurden die Zahnstangen demontiert.

 

Als 1986 der Güterzugverkehr (vorwiegend Erzzüge vom Erzberg nach Leoben) über den Präbichl eingestellt wurde, deutete sich das Ende der gesamten Bahnlinie an. 1988 wurde ein Lawinenabgang, der die Bahntrasse verlegte, zum Anlass genommen, den Streckenabschnitt Vordernberg Markt–Eisenerz einzustellen. 1999 folgte dieser Schritt auch für die Zulaufstrecke Eisenerz–Hieflau, hier verkehren nur mehr jene Erzzüge, die das Erz nun über Hieflau nach Linz und über Selzthal und den Schoberpass nach Leoben Donawitz bringen. Schließlich wurde 2001 auch der Personenverkehr im Abschnitt Leoben–Vordernberg Markt komplett eingestellt, es verbleibt nur ein Restgüterverkehr bis Trofaiach. Verkehrsinitiativen wie der Verein FAHRGAST Graz/Steiermark bemühen sich derzeit um die

Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Trofaiach und Leoben als Teil eines Schnellbahnnetzes im Mur- und Mürztal. Die Strecke Erzberg–Hieflau hat aber völlig an Bedeutung verloren und der Personenverkehr wird auf diesem Abschnitt höchstwahrscheinlich nicht mehr aufgenommen, da auch der Verkehr auf der anschließenden Kronprinz-Rudolf-Bahn auf ein Minimum reduziert wurde.

 

Der 1975 gegründete Verein Erzbergbahn führt seit 23. Juni 1990 Museumsbahnbetrieb auf der Bergstrecke zwischen Vordernberg Markt und Eisenerz durch. Der Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Vordernberg Markt und der Anschlussbahn der Voestalpine in Krumpental wurde hierfür seit 1. Jänner 1990 an den Verein verpachtet. Am 25. Juni 2005 konnte die Teilstrecke rückwirkend zum 1. Jänner durch den Verein angekauft werden.[5] Die Strecke wird Anfang Juli bis Mitte September an Wochenenden befahren, von Juni bis Oktober sind außerdem Sonderfahrten möglich. Da zwei Pisten des Skigebiets Präbichl die Strecke kreuzen, ist ein Winterbetrieb nicht möglich. Am 17. Juli 2010 wurde ein Stück der Museumsbahn bei der Station Erzberg durch eine Mure verschüttet. Daher ist die Bahnstrecke zwischen Eisenerz und Erzberg bis auf Weiteres gesperrt.

 

Im Jahr 2011 wurde anlässlich des 120-jährigen Bestehens eine Sonderpostmarke der österreichischen Post herausgegeben.[6]

 

Mit 1. Juni 2013 wurde von der ÖBB der Vertrag zur Benützung der Strecke vom Bahnhof Vordernberg bis Vordernberg Markt durch den Verein Erzbergbahn gekündigt. Es war dem Verein daraufhin nicht mehr möglich, mit seinen im Heizhaus im Bahnhof Vordernberg abgestellten Fahrzeugen seine eigene Strecke zu erreichen,[7] weshalb der Museumsverkehr 2 Saisonen lang ruhte.

 

Gegen Ende des Jahres 2014 konnte der Verein den Streckenabschnitt Vordernberg Süd - Vordernberg Markt von der ÖBB-Infrastruktur erwerben, wobei über die Kaufsummen Stillschweigen vereinbart wurde. Somit können ab der Saison 2015 wieder Fahrten durchgeführt werden. [8]


Wirtschaftliche Bedeutung

 

Die Erzbergbahn und speziell der Abschnitt über den Präbichl wurde vorwiegend mit dem Ziel gebaut, das Eisenerz des steirischen Erzbergs möglichst einfach zur Verhüttung nach Leoben-Donawitz bzw. nach Linz zu bringen. Später kamen dann auch touristische Interessen dazu, da sich das Gebiet um den Präbichl als Wander- und Skigebiet etablierte.

Durch die Verdrängung des Personentransports auf die parallel verlaufende Straße (Individualverkehr und Autobuslinien) einerseits sowie den technisch weniger aufwändigen und damit billigeren Erztransport über Selzthal verlor die Bahnlinie ab den 1980er-Jahren zusehends an Bedeutung, was zu den beschriebenen historischen Entwicklungen führte.


Technik

 

Zahnrad-Lokomotive System Abt, 1891

 

bis 1978 als Zahnradbahn mit Doppelzahnstange nach System Abt auf einer Länge von bei-nahe 20 Kilometern

 

Die Bahn überwindet Höchststeigungen von 71 Promille und ist damit die steilste Normal-spurbahn Österreichs

 

sechs gemauerte Viadukte (bis 32 m Höhe und 117 m Länge)

 

fünf Tunnel[9]

 

Lokomotiven

 

Zahnradbetrieb

 

Auf der Erzbergbahn waren Dampflokomotiven der Reihen ÖBB 97, ÖBB 197 und ÖBB 297 sowie die Zahnradbahn-Diesellokomotive 2085.01 im Einsatz.

 

Adhäsionsbetrieb

 

Nach dem Ende des Zahnradbetriebes kamen modifizierte Diesellokomotiven der Reihe 2043.5 auf die Erzbergbahn.

 

Nach dem erfolgreichen Probebetrieb 1971 mit Schienenbussen der Reihe BVT 5081 wurden zunächst vier Garnituren im Ortsgebiet von Vordernberg eingesetzt. Als später die Strecke Vordernberg–Eisenerz bedient wurde, wurden zwei zusätzliche Wagen zugekauft. Alle Schienenbusse wurden u. a. mit einer zusätzlichen Motorstaubremse ausgerüstet und zur Reihe 5081.5 (5081.560–565) umnummeriert. Vier dieser Schienenbusse befinden sich heute im Besitz des Vereins Erzbergbahn.

 

Ab 1972 wurden mehrere Zugspaare nicht nur über die Scheitelstrecke, sondern von Leoben Hbf bis Eisenerz, ein Zugspaar täglich bis Hieflau mit zweiteiligen Schienenbus-Garnituren geführt.

 

Knapp vor Einstellung des Regelbetriebs zwischen Vordernberg und Eisenerz wurde das Teilstück Vordernberg–Vordernberg Markt noch elektrifiziert, um die Regionalzüge von Leoben Hbf bis dorthin führen zu können. Dazu wurden vorerst drei Triebwägen der Baureihe 4030 adaptiert: Der Mittelwagen wurde herausgenommen und die Triebwägen verkehrten zweiteilig mit Motorwagen und Steuerwagen. Diese Umstellung beendete die Ära der ab der Elektrifizierung von Leoben bis Vordernberg bis dahin ausschließlich mit Loks der Reihe 1245 bespannten Wagenzüge im Personenverkehr zwischen Leoben Hbf. und Vordernberg.

 

Einzelnachweise

1) Eisenbahnatlas Österreich. Verlag Schweers + Wall, Köln 2005, ISBN 3-89494-128-6, S. 49 und 69.

2) Manfred Wehdorn, Ute Georgeacopol-Winischofer, Paul W. Roth, Elfriede Mejchar (Fotogr.): Bau-denkmäler der Technik und Industrie in Österreich. Band 2: Steiermark, Kärnten. Böhlau, Wien 1991, ISBN 3-205-05202-1, S. 22 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)

3) RGBl 1888/178. In: Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder, Jahrgang 1888, S. 777–782. (Online bei ANNO).

4) Firma-Protokollirungen (…) Localbahn Eisenerz-Vordernberg (…). In: Wiener Zeitung, Amtsblatt, Nr. 115/1889, 18. Mai 1889, S. 722, unten links. (Online bei ANNO).

5) Verein Erzbergbahn: Geschichte. In: erzbergbahn.at, abgerufen am 5. September 2011.

6) Eintrag zu Erzbergbahn im Austria-Forum (als Briefmarkendarstellung) abgerufen am 28. Oktober 2012

7) Verein Erzbergbahn: Ist das der Anfang vom Ende ?. In: erzbergbahn.at, abgerufen am 2. Juli 2013.

  1. http://www.erzbergbahn.at/2014/12/22/verein-erzbergbahn-und-%C3%B6bb-sichern-wichtiges-kultur-erbe/

9) ws: Längenprofil der Strecke Hieflau–Eisenerz–Vordernberg–Leoben (PDF; 0,3 MB). Vordernberg 2004.

 

 

Anmerkungen

 

1) 1891 befand sich bei Streckenkilometer 17,07 (Seehöhe: 896,0 m) die Haltestelle (und spätere Abla-destelle) Schönauhalde. – Siehe: Heinrich Hess: Eine neue Gebirgsbahn: Eisenerz–Vordernberg. In: Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Nr. 14/1901, Jahrgang 1901 (Band XVII), S. 193 f. (Online bei ALO) sowie pt: Streckentopographie Erzbergbahn (PDF; 55 KB), Vordern-berg 2011, S. 5.

 

2) Die Eröffnung (Personen- wie Frachtverkehr durch zwei gemischte Züge pro Tag) war bereits für Jän-ner des Jahres in Aussicht genommen worden. (Siehe: Geschäfts- und Verkehrs-Zeitung. (…) Eisen-bahnlinie Leoben–Vordernberg. In: Neues Fremden-Blatt, Morgenausgabe, Nr. 18/1872, VIII. Jahrgang, 19. Jänner 1872, S. 6, Mitte links. (Online bei ANNO).) Es trat jedoch unter anderem ab 19. Jänner we-gen eines in Trofaiach entbrannten Arbeitertumults eine Verzögerung ein, der die Kürzung von Stunden-löhnen zum Anlass hatte. (Siehe: Kleine Chronik. (…) Ueber einen Arbeitertumult. In: Die Presse, Mor-genblatt, Nr. 21/1872, XXV. Jahrgang, 22. Jänner 1872, S. 4, Mitte unten. (Online bei ANNO).)

 

Ab 19. März 1872 wurde die Strecke mit einer Maschine befahren, am 2. April kamen fünf mit 28 Arbei-tern besetzte Schotterwagen in der Station Friedau ins Rollen, rasten nach über sieben Fahrkilometern in der Station St. Peter in einen abgestellten Arbeitswagen, entgleisten und richteten erheblichen Scha-den an der Strecke an; das Leben eines (unterwegs abgesprungenen) Arbeiters wurde beklagt. (Siehe: Kleine Chronik. (…) Bahnunglück. In: Die Presse, Abendblatt, Nr. 91/1872, XXV. Jahrgang, 3. April 1872, S. 3, Mitte unten. (Online bei ANNO).)

 

Mit der Eröffnung am 18. Mai 1872 der von der k.k. priv. Südbahn-Gesellschaft geführten Bahnstrecke Leoben–Vordernberg wurden die Stationen Leoben, Donawitz, St. Peter-Freyenstein, Gemeindegrub, Trofajoch (sic!) und Vordernberg für den Personen- und Sachenverkehr freigegeben, die Haltestelle Hafning für den Personen- und Gepäcksverkehr. (Siehe: Eröffnung der Bahnstrecke Leoben–Vordern-berg. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, Nr. 41/1872, X. Jahrgang, 20. Mai 1872, S. 6, unten links. (Online bei ANNO).)

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbergbahn

 

 

 

Video

 

 

Führerstandmitfahrt ehemalige Bahnstrecke Leoben-Vordernberg Markt
Öbb 6030 am 19.Mai 1999 Regionalzug 4413, Abfahrt Leoben Hbf 12.20
globuli1000, 03.07.2012

 

Teil 1
Leoben - St.Peter-Freieinstein
07:55
 

Teil 2
St.Peter-Freieinstein - Hafning
08:40
 

Teil 3
Hafning - Vordernberg
08:37

Druckversion Druckversion | Sitemap
© railaustria.at