Haltestelle Peutenburg (seit Dez.2010 aufgelassen), Michael Grinschgl April 2012

Bahnstrecke Pöchlarn–Kienberg-Gaming

(Erlauftalbahn)

Die Bahnstrecke Pöchlarn–Kienberg-Gaming (Erlauftalbahn) ist eine Nebenbahn in Österreich. Sie ist eine Nebenlinie der Bahnstrecke Wien–Salzburg (Österreichische Westbahn) und ist das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel im Erlauftal. Eigentümer und Betreiber sind die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Es werden Triebwagen der Reihe ÖBB 5047 benutzt.

 

Von Wieselburg zweigt eine Bahnstrecke nach Gresten, bei der es sich ursprünglich um einen Abschnitt der schmalspurigen Lokalbahn Ober-Grafendorf–Gresten, einer Zweig-strecke der Mariazellerbahn handelte. Sie wurde 1998 aus regionalwirtschaftlichen Gründen von Schmalspur auf Normalspur umgebaut und wird ausschließlich im Güterverkehr bedient.


Geschichte


Die Entstehung der Bahn reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, einer Zeitwende, da man in Österreich die volkswirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahn erkannt hatte.

 

Der Bau der Linie durch das Erlaftal – wie das Erlauftal ursprünglich genannt wurde – war hauptsächlich durch die dort hoch entwickelte Kleineisenindustrie bedingt, und alle während der Gründungsperiode propagierten Projekte sind auf die industrielle und verkehrspolitische Bedeutung dieses Gebietes zurückzuführen. So war schon das ursprüngliche Trassenprojekt der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn auf eine Verbindung von St. Pölten, Schauboden im Erlauftal und Amstetten abgestellt. Auch für eine strate-gische Bahn Zwettl–Pöchlarn–Kienberg–Hieflau als direkte Verbindung der „Eisen-wurzen“ mit Südböhmen trat man damals ein. Als aber die Trasse der Westbahn dann über Melk geführt wurde und die übrigen Projekte nicht verwirklicht wurden, trachteten die „Hammerherren“ wenigstens den Anschluss des engeren Eisenindustriegebietes, der so genannten „Eisenwurzen“, an die Westbahn und damit die Verbindung mit der Donau zu erwirken.

 

Großes Verdienst um die Ausführung dieses Projektes erwarben sich vor allem der in der Geschichte des Eisenwurzengebietes als Erfinder der Blechwalze bekannte Andreas Töpper, dessen Nachfolger Adolf Horst in Neubruck, Josef Reiser in Kienberg, Anton Fanta in Neustift und insbesondere der damalige Bürgermeister von Scheibbs, Ignaz Höfinger.

 

Nach mehreren Rückschlägen erfolgte unter Anton von Banhans als Handelsminister am 3. November 1874 die Erteilung der Konzession sowie deren Verlautbarung am 6. März 1875[1]. Als Konzessionäre wurden genannt: Victor Graf Wimpffen im Vereine mit Adolph Horst, Leopold Hutterstraßer, Alexander Curti sowie August Köstlin.[2]

 

Am 19. Oktober 1876 konstituierte sich die K. k. priv. niederösterreichische Südwest-  bahn in der Anwesenheit von 17 Aktionären, welche mehr als neun Zehntel des Actien-Kapitals repräsentierten.[3]

 

Bahnhof Pöchlarn (um 1900)

Unmittelbar nach der erwähnten Konstituierung der Gesellschaft k.k. privilegierte N.Ö. Südwestbahnen wurde von dem Konzessionär Horst deren Verstaatlichung angeregt, um einen regelmäßigen Betrieb auf dieser Linie auch für die Zukunft unabhängig von der finanziellen Lage der Gesellschaft zu sichern.

 

Trotz mehrfacher staatlicher Unterstützung[5][6][7] sah sich die Aktiengesellschaft k. k. priv. niederösterreichische Südwestbahnen[8], die den Bahnbau begonnen hatte, unlösbaren Finanzierungsproblemen gegenüber, sodass der Staat die Restfi-nanzierung und schließlich 1878 die gesamte Bahnanlage[9] unter der Bezeichnung k. k. niederösterreichische Staatsbahnen übernahm[8]. Die Erlauftalbahn wurde somit fast gleichzeitig mit ihrer Eröffnung auch Staatsbahn. — Mit 28. Juni 1878 beschloss die Generalversammlung der niederösterreichischen Südwestbahnen die Liquidation der Gesellschaft[10].

 

Bahnhof Scheibbs (1901)

Der neue Schienenweg erfüllte die in ihn wegen seiner wirtschaftlichen Vorteile gesetzten Erwartungen, indem die Eisenwerke im Erlaftal erfolgreich in den  Wettbe- werb größerer Produktionsbereiche eintreten konnten. Die Eisenbahn  er- schloss weiters das Gebiet für den aufkeimenden Fremdenverkehr. Die Eisenindustrie jedoch konnte sich – unter Einwirkung der Erfindung des Bessemerstahles – in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht halten. Nach dem Niedergang der Zerrennhämmer  wur- de es notwendig, auf neue Produktionszweige auszuweichen, die in der Eisenwurzen jedoch keinen Einzug mehr hielten.

 

Die Verlängerung in Richtung Ybbstal wurde 1898 in Form der schmalspurigen Ybbstalbahn eröffnet.

 

Mit Fahrplanwechsel im Dezember 2010 stellten die Österreichischen Bundesbahnen den Schienenpersonennahverkehr zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming  zugun-

ÖBB-Dieseltriebwagen 5047 in Kienberg-Gaming (2007)

sten einer Busverbindung ein, wodurch die zur Ybbstalbahn gehörende Museumsbahn ihren Bahnanschluss verlor. 2015 verkaufte die ÖBB die Strecke zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming einschließlich des Bahnhofareals in Kienberg-Gaming an die ÖGLB, welche die Ybbstalbahn-Bergstrecke betreibt. Die normalspurigen Schienen wurden abgetragen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, auf der Trasse eine Verlän-  gerung der Schmalspurbahn nach Scheibbs zu verlegen. Die Bahn wird voraus-sichtlich 2025 eingestellt, weil sie nicht die Anforderungen des Zielnetzes der ÖBB erreicht.


Unfälle

 

Am 29. Juli 2013 kollidierten zwei entrollene Güterwaggons auf einer Eisenbahn-kreuzung mit einem PKW. Der PKW-Fahrer stirbt.[11][12][13]

 

Am 19. Oktober 2016 rollten fünf unbeladene, zum Teil vierachsige Güterwaggons mit Rungen dem Verschub in Randegg auf der Strecke Gresten–Wieselburg davon, rollten vermutlich etwa 20 Minuten lang über 10 bis 12 km Strecke und stießen gegen 11:45 Uhr MESZ in Wieselburg nahe der Brauerei auf den aus zwei Triebwagen bestehenden besetzten Regionalzug 7012, der von St. Pölten über Wieselburg nach Scheibbs unterwegs war. Vier Personen wurden schwer verletzt, acht leicht. Die Erlauftalbahn fuhr ab 20. Oktober 6:00 Uhr wieder.[14][15]

 

 

Einzelnachweise

  1. RGBl 1875/10

  2. Die Konzession galt für mehrere Strecken: Leobersdorf–St. Pölten mit der Zweigbahn Scheibmühl–Schrambach (eventuell Freiland), ferner Leobersdorf–Gutenstein sowie Pöchlarn–Gaming.

  3. Niederösterreichische Südwestbahn.. In: Neue Freie Presse, 22. Oktober 1876, S. 9 (Online bei ANNO)

  4. Die Niederösterreichische Südwestbahn.. In: Die Presse, 22. Oktober 1877, S. 1 (Online bei ANNO)

  5. RGBl 1875/11

  6. RGBl 1876/68

  7. RGBl 1876/69

  8. RGBl 1878/104

  9. RGBl 1878/88

  10. K. k. priv. nied. österr. Südwestbahnen in Wien in Liquidation.. In: Wiener Zeitung, 15. November 1878, S. 10 (Online bei ANNO)

  11. versa, BMVIT (Hrsg.): Zusammenprall entrollter Wagen mit PKW auf einer Eisenbahnkreuzung in Österreich am 29. Juli 2013. (bmvit.gv.at [PDF]).

  12. Führerlose Waggons töten Autolenker. In: noe.orf.at. Abgerufen am 20. Oktober 2016.

  13. Acht Monate Haft für Bahnarbeiter. In: noe.orf.at. Abgerufen am 20. Oktober 2016.

  14. Zugsunfall: Waggons 20 Minuten lang führerlos orf.at, 19. Oktober 2016, abgerufen 19. Oktober 2016. - Mit Skizze der sich kreuzenden Strecken.

  15. Wieselburg: Nach Geisterfahrt: Mehrere Schwerverletzte bei Zugunglück kleinezeitung.at, 19. Oktober 2016, abgerufen 20. Oktober.

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_P%C3%B6chlarn%E2%80%93Kienberg-Gaming

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© railaustria.at