4024 130-9 (S45) nach der Ausfahrt aus Wien Handelskai, darkweasel94 21.03.2014

Donauuferbahn (Wien)

Donauuferbahn (Wachau)

siehe Eisenbahnunternehmen - NÖVOG - Wachaubahn

Die Donauuferbahn in Wien ist eine Bahnlinie, die rechtsufrig neben dem 1875 gefluteten Hauptstrom der regulierten Donau verläuft. Auf der durch die Donauregulierung entstandenen Insel (damals 2. Bezirk, seit 1900 auch 20. Bezirk) führt sie auf volle Länge der Insel in geringem Abstand parallel zum Strom.

 

Geschichte

 

Im Jahr des Wirksamwerdens der Regulierung, 1875, wurde ein Gleisbogen vom Nordbahnhof zum Donauufer gebaut, 1876 der nördliche Teil der Donauuferbahn von Nussdorf (Anschluss an die Franz-Josefs-Bahn) bis zur Stadlauer Ostbahnbrücke eröffnet; dort entstand auch ein Verbindungsgleis zur Ostbahn Richtung Simmering. Der südlichste Teil der Donauuferbahn wurde bis 1880 erbaut[1], als auch die Winterhafenbrücke und damit der Anschluss an die im Süden Wiens tangential verlaufende Donauländebahn geschaffen wurde. Der Gleisbogen vom damaligen Rangierbahnhof Brigittenau der Donauuferbahn zur Franz-Josefs-Bahn Richtung Bahnhof Wien Heiligenstadt und Vorortelinie wurde im Zuge des Baues der Wiener Stadtbahn 1896/97[Anm. 2] errichtet.[2]

 

Zweck des Baues der Donauuferbahn war, den nach der Donauregulierung im Raum Wien am rechten Stromufer, entlang des Handelskais (Stromhafen) und im Freudenauer Hafen (siehe Wiener Häfen), anfallenden Güterumschlag der Donau-schifffahrt und der neu entstandenen Fabriken, Lagerhäuser, Lagerplätze und Frachtenbahnhöfe zu bewältigen.

 

Die Bahn übernahm die Lieferung der für Wien vorgesehen Güter sowie die Weiterbeförderung der für andere Teile des Landes bestimmten Frachten über:

 

die Wiener Stadtbahn (inklusive Vororte-linie),

 

die Franz-Josefs-Bahn,

 

die Donauländebahn zur Ostbahn, zur Pottendorfer Linie und zur Südbahn sowie

 

über die Nordbahn, die über die Verbindungsbahn mit Süd- und Westbahn verbunden ist.

 

Am 9. Juli 1885 beschloss die Verkehrssektion des Wiener Gemeinderats eine an die zuständigen Stellen zu richtende Petition, auf der Donau-Ufer-Bahn den Personenverkehr aktivieren zu wollen.[3] Dreizehn Jahre später, am 1. Juni 1898, wurde der Abschnitt Wien–Brigittenau–Prater–Lagerhaus für den Personen-verkehr eröffnet.[4] In Verbindung mit den genannten Wiener Bahnstrecken bestand bescheidener Personenverkehr. Das Kursbuch für Mai 1901 verzeichnete zwischen 6 und 23 Uhr acht Züge, die zumeist von Wien Westbahnhof über Speising (Verbindungsbahn) und Klein-Schwechat (Donauländebahn) verkehrten und auf der Donauuferbahn folgende Personenhaltestellen (stromaufwärts angeführt) einhielten, bevor sie Heiligenstadt, km 38, erreichten:

   

Praterspitz, km 27

Donauquai-Bahnhof, km 31

Militär-Schwimmschule, km 32

Ausstellungsstraße, km 33

Communalbad-Reichsbrücke, km 35

Zwischenbrücken, km 36

Brigittenau – Floridsdorf, km 37

 

In der Gegenrichtung fuhren ebenfalls acht Züge. Für die 11 Kilometer lange Strecke Praterspitz–Heiligenstadt oder retour benötigten die Personenzüge da- mals 40 Minuten. Der Personenverkehr bestand bis zum Zweiten Weltkrieg.

 

Am 20. Juli 1934 verübten Josef Gerl und Rudolf Anzböck einen Spreng-stoffanschlag auf eine Signalanlage der Donauuferbahn, wobei Gerl auf der Flucht einen Gendarmen schwer verletzte. Am 24. Juli 1934 wurde er von einem Standgericht zum Tode verurteilt und am selben Tag gehängt.

 

Wien, Donauuferbahn in rot, Uebersichtskarte (1877/78)
Wien, Bahnanlagen, Übersichtskarte (1880)
Wien, Ortsverkehrs-Karte (1926)

 

1945 wurde von der abziehenden Wehrmacht die Winterhafen-brücke gesprengt, die die Verbindung zur Donauländebahn herstellte. Die Brücke wurde, nachdem die Verbindung jahrzehntelang nicht benötigt wurde, im Rahmen des Ausbau-programms des Hafens Wien Freudenau neu gebaut und Ende 2008 wieder eröffnet. Auch die Station Wien Freudenau wurde umfangreichen Umbauarbeiten unterzogen.

 

Die Donauuferbahn wurde elektrifiziert. Mit den im Uhrzei-gersinn anschließenden Strecken Donauländebahn, Verbin-dungsbahn und Vorortelinie (S45) ermöglicht sie, seit die 2009 erfolgte Erneuerung der Donauländebahn fertiggestellt ist, wie bis 1945 die Umfahrung des rechtsufrigen Stadtgebiets von Wien. Die Donauuferbahn stellt weiters, seit die Nordwest-bahnbrücke zu Beginn der sechziger Jahre einer Straßen-brücke weichen musste, die einzige Zufahrt zum (zur Ab- bsiedlung vorgesehenen) Frachtenbahnhof Wien Nordwest-bahnhof dar.

 

Der 2,3 Kilometer lange nördlichste Teil der Bahn wird heute in dichtem Intervall von der S45 (Vorortelinie) der Wiener S-Bahn bedient, deren Züge, von Heiligenstadt kommend, 1993–1996 auf der Donauuferbahn bis zu einer provisorischen Station bei der Floridsdorfer Brücke fuhren und seither bis zum neu errichteten Bahnhof Wien Handelskai verkehren, wo die Verknüpfung mit der seit damals in Hochlage querenden U-Bahn-Linie U6 und der Schnellbahn-Stammstrecke erfolgt.

 

Stadt Wien und ÖBB hatten Anfang der 2000er Jahre vor, die S45 flussabwärts bis zur Station Wien Praterkai (S80) an der Stadlauer Ostbahnbrücke zu verlängern. Die Verlängerung der U2 nach Stadlau wurde dann von der Stadtverwaltung diesem Projekt vorgezogen. Im Jahr der Inbetriebnahme der U2-Verlängerung, 2010, wurde die S45-Verlängerung von ÖVP-Abgeordneten per Parlamentsanfrage an Verkehrsministerin Doris Bures thematisiert.[5]

 

Donauuferbahn beim Bahnhof Brigittenau (My Friend 18.06.2008)

 

 

Einzelnachweise

 

1) Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 2: De – Gy. Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 74.

 

2) Otto Wagner, Historisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.): Otto Wagner. Das Werk des Architekten. Zwölfte Sonderausstellung Juni bis September 1963. Eigenverlag des Museums, Wien 1963, ZDB-ID 881004-7, S. 39.

 

3) Kleine Chronik. (…) Donau-Ufer-Bahn. In: Wiener Zeitung, Nr. 155/1885, 10. Juli 1885, S. 2 Mitt. (Online bei ANNO).

 

4) Tagesneuigkeiten. (…) Eröffnung der Donauufer-Bahn für den allgemeinen Personenverkehr. In: Tages-Post, Nr. 125/1898, 3. Juni 1898, S. 4, Mitte links. (Online bei ANNO).

 

5) Anfrage vom 9. Juli 2010 auf der Website des Parlaments

 

Donauuferbahn am Handelskai (darkweasel94 11.06.2014)

Anmerkungen

 

1) In den Jahren der Planung sowie Errichtung der Brücken über Donaukanal und Winterhafen galt die Station Kaiserebersdorf(-Albern) als südlicher Endpunkt der Strecke. – Siehe die Beiträge von Ludwig Huss (1836–1899).

 

2) Ende Oktober 1897 waren die Arbeiten an der Strecke Westbahnhof–Heiligenstadt–Brigittenau so weit gediehen, dass Fahren in Raumdistanz möglich war. Die Gleisverbindung war ursprünglich nur für den Güterverkehr bestimmt, wurde jedoch schon gleichzeitig mit der Eröffnung der Gürtellinie (1. Juni 1898) für den Personenverkehr zur Jubiläums-Ausstellung (6. Mai bis 18. Oktober 1898) im Prater verwendet. – Hugo Koestler: Die Wiener Stadtbahn. In: Hermann Strach: Geschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Zum fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner kaiser-lichen und königlich-apostolischen Majestät Franz Joseph I. Band 1,2, Prachtausgabe. Prochaska, Wien 1898, S. 441 sowie 451.

 

Siehe auch: Die Eröffnung der unteren Wienthal-Linie (…). In: Neue Freie Presse, Abendblatt (Nr. 12511/1899), 23. Juni 1899, S. 2, unten links. (Online bei ANNO).

 

 

 

Video

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© railaustria.at