5047 034-3 zwischen den Weinbergen von Deutschkreutz und Unterpetersdorf, Michael Grinschgl, 27.06.2011

Burgenlandbahn

Die Burgenlandbahn ist eine Nebenbahn in Ungarn und Österreich. Sie gehört zu den Österreichischen Bundesbahnen und durchquert den Bezirk Oberpullendorf im Burgenland in Nord-Süd Richtung.

 

Zur Zeit ihrer Eröffnung gehörte sie vollständig zum Königreich Ungarn. Erst mit dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich am 25. Jänner 1921 kam der größte Teil dieses Gebiets zu Österreich.

 

Bahnhof Harka (Ungarn) – (Durch-)Fahrt Richtung Deutschkreutz (August 2010)[2]
Bahnhof Lackenbach in Blickrichtung Oberloisdorf, hier zweigte die Anschluss­bahn zum Sägewerk Esterházy ab

Geschichte

 

Die Strecke Ödenburg–Güns wurde am 19. Juni 1907 durch das Ungarische Handelsministerium konzessioniert. Konzessionär war die „Sopron-Koszeger Vicinalbahn AG“. Die Inbetriebnahme erfolgte am 5. November 1908. Sie stellte den Anschluss an die am 1. August 1883 eröffnete Lokalbahn Szombathely–Koszeg her. Die Strecke wurde bis Ende 1921 von den königlich ungarischen Staatseisenbahnen auf Rechnung der Eigentümer betrieben. Ab 1. Jänner 1922  er- folgte der Betrieb auf Rechnung des Eigentü- mers durch die Österreichischen Staatsbahnen (ÖStB), die ab 1923 selbständig als Österreichi- sche Bundesbahnen (ÖBB) agierten. Mit  Wirk- samkeit vom 1. Juli 1929 wurde die Strecke  (da- mals auch: Oberpullendorfer Bahn) vom Schieds-gericht des Völkerbunds zu Österreichs Eigentum erklärt, für das in 65 Jahresraten 7 Millionen Schillling (508.710 Euro) an Ungarn zu zahlen waren.[3]

 

Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde die Strecke von der Deutschen Reichsbahn (DR) betrieben. Als der Eiserne Vorhang nach dem Zweiten Weltkrieg immer undurchdringlicher wur-

Ehemaliges Streckenende im Bahnhof Oberloisdorf (Kilometer 46,860)

de, musste der Personenverkehr vom Grenzbahnhof Rattersdorf-Liebing in Richtung Ungarn am 6. Oktober 1951 eingestellt werden; der Güterverkehr folgte am 1. September 1960.

 

Der Korridor-Verkehr von Niederösterreich ins Burgenland durfte jedoch auf Grund der völkerrechtlichen Verträge zwischen Österreich und Ungarn die Bahnstrecke über Ödenburg in all den folgenden Jahrzehnten benutzen. Allerdings wurden ab 28. April 1969 als Endpunkte des Personenverkehrs Oberpullendorf und des Güterverkehrs Oberloisdorf festgelegt. Der anschließende Streckenteil zwischen Oberloisdorf und Koszeg/Güns ist ab dem Streckenkilometer 46,860 abgebaut. Lediglich auf ungarischem Staatsgebiet ist in weiten Bereichen noch das Streckengleis zu finden, was seine Ursache darin hat, dass die ÖBB dort noch Grundeigentümer sind.

 

Mit dem Fahrplanwechsel am 29. Mai 1988 wurde der Personenverkehr zunächst auf den Abschnitt Ödenburg–Deutschkreutz beschränkt. Von Mai 1989 bis Mai 2001 wurde die Strecke wieder bis Lackenbach befahren. Mit der Elektrifizierung des Abschnitts Ödenburg–Deutschkreutz wurde der Personenverkehr zwischen Lackenbach und Deutschkreutz im Dezember 2001 neuerlich eingestellt.

Das Land Burgenland und die ÖBB unterzeichneten Ende 2005 für die nächsten 15 Jahre einen Verkehrsdienstevertrag, um unter anderem auf dem Streckenabschnitt Deutschkreutz–Neckenmarkt-Horitschon das Angebot zu erweitern.[4]

 

Im Dezember 2007 wurde der Personenverkehr im Abschnitt Deutschkreutz–Neckenmarkt-Horitschon in eingeschränktem Umfang provisorisch wieder aufgenommen.[5] Von 2008 bis 2011 bestand ein Taktfahrplan über den ganzen Tag, der aber mit 1. August 2011 wieder eingestellt wurde, da eine Veränderung der Bundesfinanzierung eintrat sowie die durchschnittliche Auslastung der betroffenen Züge nur ca. 3–4 Fahrgäste und somit unter 5 % betrug. Zuletzt verkehrten im Fahrplan 2012 nur drei Züge abends nach Neckenmarkt-Horitschon und drei Züge frühmorgens zurück. Ihre Garnituren waren teilweise im Bahnhof Neckenmarkt-Horitschon abgestellt.[6] Es gab Bestrebungen, den genannten Abschnitt, der nur geringe Geschwindigkeiten zulässt, auszubauen und zu elektrifizieren, damit auch die mit Elektro-Triebfahrzeugen bespannten Züge bis Neckenmarkt-Horitschon verkehren können.[7] Dazu kam es nicht. Der Personenverkehr zwischen Deutschkreutz und Neckenmarkt-Horitschon wurde ab 1. Juli 2013 neuerlich eingestellt.

 

Auf der Strecke zwischen Neckenmarkt-Horitschon und Oberpullendorf werden Fahrten mit Fahrraddraisinen angeboten.[8]

 

Die 2001 erfolgte Elektrifizierung der Strecke von Ödenburg bis Deutschkreutz führte zu einer bis dahin einmaligen Besonderheit im ÖBB-Eisenbahnnetz. Um nicht lange Bahnstromleitungen errichten zu müssen – das nächstgelegene Umspannwerk befindet sich beim Bahnhof Wiener Neustadt –, wurde der kurze Abschnitt bis zum Bahnhof Deutschkreutz nicht mit dem bei den ÖBB allgemein gebräuchlichen Wechselstromsystem von 15 kV und 16,7 Hz ausgestattet, sondern mit dem bei der Raaberbahn sowie in Ungarn verwendeten Wechselstromsystem von 25 kV und 50 Hz. Betrieblich stellt dies kein Problem dar, da ohnedies Zweisystemfahrzeuge eingesetzt werden müssen. Die Elektrifizierung auf österreichischem Gebiet wurde zweckmäßiger Weise der Raaberbahn (RÖEE) übertragen.


Nicht verwirklichte Planungen

 

    Schon vor 1925 bestand das (von der Bundesverwaltung bei Planung und Finanzen nicht unterstützte) Vorhaben, von Markt Sankt Martin (über Kobersdorf und Sieggraben) eine Lokalbahn nach Mattersburg zu bauen, die diesen von Österreich vollständig abgeschlossenen Teil des Burgenlandes unter Umgehung ungarischen Hoheitsgebiets mit der Mattersburger Bahn und im Weiteren mit der Südbahn verbunden hätte.[9] Am 6. Oktober 1925 wurde vom Landeshauptmann die Bewilligung technischer Vorarbeiten in Aussicht gestellt.[10]

 

Ehemalige Bahnhöfe und Haltestellen

 

Haltestelle Unterpetersdorf
Bahnhof Lackenbach in Blickrichtung Deutschkreutz
Bahnhof Oberpullendorf
Bahnhof Neckenmarkt-Horitschon
Bahnhof Markt St. Martin
Haltestelle Unterpullendorf, heute Lagerhaus
Gedenktafel im Bahnhof Oberpullendorf
Halte- und Ladestelle Raiding-Lackendorf
Bahnhof Stoob
Bahnhof Oberloisdorf

 

 

Einzelnachweise


1)   Arbeitersport. An alle Arbeitersportvereine des Burgenlandes. In: Burgenländische Freiheit. XII. Jahrgang, Nr. 33/1932, S. 3, unten rechts.
2)   Der Bahnhof Harka wird auf Korridor-Fahrten nicht bedient.
3)   Die Oberpullendorfer Bahn gehört der Republik Oesterreich. In: Burgenländische Freiheit. IX. Jahrgang, Nr. 30/1929, S. 1.
4)   Neues Übereinkommen von Land und ÖBB (…) Ausweitung des Angebotes. In: burgenland.orf.at, 15. Dezember 2005, abgerufen am

      28. September 2010.
5)   (…) Wieder bis Neckenmarkt-Horitschon. In: oesterreich.orf.at, 29. November 2007, abgerufen am 28. September 2010.
6)   Angebotsrücknahme nach Neckenmarkt-Horitschon.
7)   (…) Die Projekte bis 2010. In: burgenland.orf.at, 26. März 2007, abgerufen am 28. September 2010.
8)   Sonnenland Draisinentour
9)   Aus dem Parlament. (…) Bahnbauten. In: Burgenländische Freiheit. V. Jahrgang, Nr. 5/1925, S. 1, unten Mitte.
10) Die Lokalbahn St. Martin–Mattersburg. In: Burgenländische Freiheit. V. Jahrgang, Nr. 42/1925, S. 3, unten rechts.

Bahnstrecke Oberloisdorf–Bük

Die Bahnstrecke Oberloisdorf–Bük–Sárvár war eine Nebenbahn in Österreich und Ungarn.

 

Geschichte

 

Sie wurde am 9. November 1913 von der Westungarischen Lokalbahn AG eröffnet. Bis zum 5. Jänner 1922 erfolgte die Betriebsführung durch die königlich ungarische Staatsbahn, danach durch den österreichischen Staat für Rechnung der Eigentümer, wobei der Zugförderungsdienst bis zum 14. Mai 1931 durch die GySEV und danach von den BBÖ besorgt wurde.

 

Da sie nach dem Ersten Weltkrieg durch die neue Staatsgrenze zerschnitten wurde, wurde der Verkehr am 15. Mai 1933 eingestellt. Während im Jahr 1944 der Oberbau zwischen der Grenze und dem Kilometer 86,450 aus unbekannten Gründen abgebaut wurde, konnte am 12. August 1946 nach der Beseitigung der Kriegsschäden der Güterverkehr zwischen Oberloisdorf und Frankenau wieder aufgenommen werden, welcher sich allerdings nur saisonale Fahrten z.b. während der Zuckerrübensaison beschränkte. Die Einstellung der Strecke sowie der Abbau erfolgte im Jahr 1955.

 

Der Verkehr wurde in Ungarn bis Répcevis am 15. August 1945 wiedereröffnet. Am 26. Mai 1963 wurde eine Haltestelle in Bükfürdo (Bad Bük) eröffnet und Bäderzüge verkehrten zweimal täglich von Szombathely nach Bükfürdo. Am 26. Mai 1974 wurde die Bahnstrecke Répcevis-Bük-Sárvár endgültig geschlossen und die Strecke abgebaut.

 

 

 

 

 

 

Bahnhöfe

 

Bahnhof Oberloisdorf der Burgenlandbahn
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Répcevis
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Unterloisdorf
Répcevis – Ehemalige Bahnstrecke
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Lutzmannsburg
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Csepreg
Druckversion Druckversion | Sitemap
© railaustria.at