Lokalbahn Gmunden–Vorchdorf

Die Lokalbahn Gmunden–Vorchdorf, auch Traunseebahn genannt, ist eine meterspurige Lokalbahn in Oberösterreich. Sie verkehrt zwi­schen den Stationen Gmunden Klosterplatz und Vorchdorf-Eggenberg.[2]

 

Geschichte

 

Schuldverschreibung über 200 Kronen der Lokalbahn Gmunden-Vorchdorf vom 26. Juli 1912
ET 23.104 im alten Endbahnhof Gmunden-Traundorf (1977)

Die Bahn wurde am 21. März 1912 eröffnet und wird mit 750 V Gleichstrom betrieben. Sie be­fin- det sich im Besitz der Lokalbahn Gmunden Vorch dorf AG, der Betrieb wird durch Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft m.b.H. durchge­führt. Von den 14,9 Kilometern Streckenlänge wurden zwei Kilometer gemeinsam mit der ÖB­B-Strecke als Dreischienengleis geführt. Bis 1990 begann die Bahn in der damaligen Station Gmunden-Traun- dorf auf der Trasse der Pferde­eisenbahn Bud- weis–Linz–Gmunden. Dann wurde die Endstelle zum Seebahnhof verlegt. Die heutigen Halte-punkte Gmunden-Traundorf und Lembergweg wurden neu angelegt,[3] die Hst.

 

Am 8. September 2008 wurde auf den Gleisan­lagen der Hauptwerkstätte in Vorchdorf ein mo­dernes Niederflurfahrzeug, ein Bombardier Ci­tyrunner – Nr. 305 der Straßenbahn Innsbruck (IVB) – das 28 Tage der Traunseebahn leihwei­se zur Verfügung gestellt wurde, abgeladen. Zwei Tage später wurde der Wagen in Betrieb genom- men und danach wurden diverse Tests wie Bremsmessungen und Probefahrten durch­ge-führt. Am 27. September wurde das Fahr­zeug bei der neu errichteten Haltestelle Unterm Wald der Öffentlichkeit präsentiert.[4] Nach der Fahrzeu-gpräsentation und der Eröffnung der neuen Halte stelle absolvierte das Fahrzeug eine Testfahrt mit 70 km/h. Danach wurde der Cityrunner bis 4. Sep tember im Fahrgastbetrieb eingesetzt, ehe er tags darauf wieder verladen und nach Gmunden transportiert wurde.[5]

 

Seit 2008 wurden Sanierungsarbeiten durchge­führt, für die insgesamt 3,5 Millionen Euro vom Land Oberösterreich zur Verfügung standen. Ne- ben dem Austausch von Schwellen, Schotter und Gleisen wurden auch einige Haltestellen saniert, die neue, 65 Meter lange Bahnsteige und Warte-häuschen erhielten. Zudem erhielt die Lokalbahn drei neue Lichtzeichenanlagen bei den Strecken-kilometern 9,845, 11,910 und 13,262.

Auf dem Dreischienengleis oberhalb von Gmunden (1977)
Die von der WSB übernommenen Triebwagen 23.111 und .112 trugen bis 2012 die Hauptlast des Betriebs, noch bis März 2016 kam regelmäßig einer von ihnen im Schülerverkehr zum Einsatz (2016)
IVB-Triebwagen 307 auf dem Straßenbahnabschnitt zwischen Klosterplatz und Seebahnhof (2014)
Vossloh Tramlink 126 in Gmunden an der Endhaltestelle Klosterplatz (2016), die Linienbezeichnung 161 basiert auf der entsprechenden Kursbuchstreckennummer
Vossloh Tramlink 122 im Bahnhof Eisengattern (2016)

 

Von Anfang an war eine Verbindung mit der Straßenbahn Gmunden geplant. Nach dem Beschluss des Ausbaus im Jahr 2006 erscheinen diese Pläne erstmals realistisch. Die Sanierung der Be­standsstrecke der Straßenbahn ist bereits erfolgt, in Zukunft soll deren Wiederverlängerung zum Rathausplatz und in weiterer Folge die Verknüpfung mit der Traunseebahn realisiert werden. Aktu­ell (28. Mai 2015) ist jedoch gegen die Ausbau- und Verknüpfungsmaßnahmen von Straßenbau­gegnern Einspruch erhoben worden, das Verwaltungsgericht prüft aktuell, ob der Einspruch gerechtfertigt ist. Die Betriebsanlagen der Traunseebahn sollen, falls die Verbindung gebaut wird, so adaptiert werden, dass durchgehende Fahrten von Vorchdorf-Eggenberg bis Gmunden Bahnhof möglich sind.[6] Nach Sanierungsarbeiten an der Lokalbahnstrecke konnte die Höchstgeschwin­digkeit abschnittsweise erhöht werden, was positive Auswirkungen auf die Fahrzeit hatte. Durch die Sanierung der Strecke konnte die Fahrzeit gegenüber 2008 auf 26 Minuten verkürzt werden. Außerdem wurde ein annähernder Stundentakt eingeführt.[5] Zusätzlich wurde 2010 das Drei­schienengleis zurückgebaut, da die ÖBB ihre Trasse zum Seebahnhof aufgegeben hatte.[7] Weite­re Haltestellen wurden saniert und neu angelegt. Die letzte Etappe für Verbesserungen am Gleis­körper und bei den Haltestellen erfolgte im Sommer 2011. Auch diese Verbesserungsmaßnahmen standen im Zeichen der Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h im betreffenden Stre­ckenabschnitt.[8]

 

Im Oktober 2011 wurde neben der neue Haltestellen Kirchham Ort auch die neuen Triebfahrzeuge vom Typ Bombardier Flexity Outlook vorgestellt.[9] Die Tw 307 und 320 der IVB wurden für vier Jahre an Stern und Hafferl verliehen. Die IVB hatte mehrere Triebwagen als Vorleistung für künfti­ge Verlängerungen beschafft. Da diese Pläne aber verschoben worden sind, werden die Tw erst ab 2015 wieder in Innsbruck benötigt. Der Fahrgastbetrieb wurde nach Testfahrten und einer Pres­sekonferenz ab dem 19. September 2011 aufgenommen.[10]

 

Am 10. März 2014 begannen die Bauarbeiten zur Verlegung des Seebahnhofes als erster Ab­schnitt der Verbindung zur Straßenbahn Gmunden.[11] Er wurde am 18. Juni 2014 in Betrieb ge­nommen. Gleichzeitig wurde der Haltepunkt Gmunden Traundorf aufgrund zu geringer Entfernung zum neuen Seebahnhof aufgegeben.[12] Als erster Teil der Verbindungsstrecke wurde am 13. De­zember 2014 der Abschnitt Seebahnhof–Klosterplatz eröffnet.[13]

 

Im Jänner 2014 bestellte Stern & Hafferl bei Vossloh Kiepe 11 neue Niederflurgelenkwagen vom Typ Tramlink. Ein Teil der Triebwagen ist für die Attergaubahn vorgesehen. Die Fahrzeuge sind fünfteilig, sechsachsig, 32 Meter lang und bieten Platz für 183 Fahrgäste. Produziert werden sie im spanischen Werk von Vossloh Kiepe in Valencia.[14][15] Mit der Auslieferung der Fahrzeuge wurde im Dezember 2015 begonnen.[16]

 

Am 12. März 2016 wurde in Vorchdorf feierlich das Rollout der neuen Triebwagen sowie die Ein­weihung der neuen Remise gefeiert. Nach Nostalgie- und Abschiedsfahrten mit den „Trogener“- und IVB-Triebwägen am Vormittag fanden Eröffnungsreden und die Fahrzeugtaufe statt. Die Jung­fernfahrt erfolgte von Vorchdorf nach Gmunden Klosterplatz mit dem Fahrzeug Nr. 121 „Traunsee“. Bis zu Betriebsschluss verkehrten Nr. 121 sowie Nr. 122 „Traunstein“ nach einem Sonderfahrplan.[17]

 

Betrieb in der Gegenwart

 

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 stellte Stern & Hafferl auch diese Strecke unter der Woche fast vollständig auf Taktfahrplan um, mit Abfahrt in Gmunden Klosterplatz etwa zur vollen Stunde und in Vorchdorf zur halben Stunde.

 

Im Plandienst werden seit März 2016 die Triebwagen vom Typ Tramlink eingesetzt. Zwischen 2011 und 2016 kamen hauptsächlich Cityrunnertriebwagen aus Innsbruck zum Einsatz. Die Triebwagen ET 23.111 und 112 standen als Ersatzfahrzeuge und für Verstärkungen im Schülerverkehr zur Ver­fügung.

 

Neben den fahrplanmäßigen Fahrten werden die touristischen Themenfahrten „Mit der Bahn zum Bier“, der „Bratlzug“ und ein „Hobbylokführerkurs“ angeboten. Für die Hobbylokführerkurse kommt der Triebwagen 23.103 zum Einsatz, der im Jahre 2008 aufgearbeitet wurde und ein historisches Farbkleid erhielt. Zudem werden auf Bestellung Fahrten mit dem Sommerwagen B4i 23.221 durch­geführt.

 

Strecke

 

Der Ausgangspunkt der 14,9 km langen Strecke ist seit 2014 der Klosterplatz in Gmunden. Zwi­schen dem Klosterplatz und dem Endbahnhof Vorchdorf-Eggenberg liegen 16 Haltestellen, an de­nen bei Bedarf angehalten wird. Der Bahnhof Eisengattern und die Haltestelle Gschwandt-Rabes­berg sind Ausweichstellen für Zugkreuzungen. Beide Ausweichen sind mit Rückfallweichen ausge­stattet. Die meisten Haltestellen besitzen ein Wartehäuschen, neben alten Holzbauten sind Beton­häuschen und modernere Varianten aus Glas anzutreffen. In Vorchdorf-Eggenberg gibt es einen Anschluss an die normalspurige Lokalbahn Lambach–Vorchdorf-Eggenberg.

 

Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h. Die meisten Bahnübergänge sind mit Andre­askreuzen und Stoppschildern gesichert; sieben Bahnübergänge verfügen über eine Lichtzeichen­anlage. Die Gleise sind auf Holzschwellen verlegt. Seit 2011 kamen auch Y-Schwellen zum Ein­bau. Neben wenigen Betonmasten ist die Oberleitung überwiegend an Holzmasten befestigt. Un­mittelbar an den Endpunkt der Bahn schließen die Gleisanlagen der Stern & Hafferl-Hauptwerk­stätte an.

 

Im Jahr 2015 nutzen 321.165 Fahrgäste diese Bahnstrecke.[18][19]

 

Fahrzeuge

 

Übersicht über die auf der Traunseebahn eingesetzten Fahrzeuge:

 

 

 

Einzelnachweise

1) Eisenbahnatlas Österreich. Verlag Schweers + Wall GmbH, Köln 2005, ISBN 3-89494-128-6, S.33.

2) Stern & Hafferl

3) Buch: Die Unternehmung Stern & Hafferl I. In: Peter Pospischil (Hrsg.): Bahn im Bild. Band 12. 1980, S. 27.

4) Oberösterreichs Neue: Nr. 168, 29. August 2008, S. 13.

6) Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft

7) Verein Pro Gmundner Straßenbahn - Generalversammlung 2007

8) Regionale Schiene: Ausgabe 3/2008, Seite 44

9) Traunseebahn: Zahlreiche Verbesserungsmaßnahmen im Sommer. salzi.at, 7.Juni 2011, archiviert vom Original am 27.Mai 2015, abgerufen am 23.Juli 2016.

10) stern.at: Traunseebahn: Premiere für „Flexity Outlook“ bei Haltestelleneröffnung in Kirchham, Zugriff am 30. November 2011

11) Straßenbahn.tk

12) Presseinfo von StH, abgerufen am 16. Mai 2014

Nostalgiefahrzeug ET 23.103
Triebwagen ET 23.105 im Bahnhof Vorchdorf vor der Hauptwerkstätte
Jungfernfahrt mit Triebwagen Nr. 121 »Traunsee«
Sommerwagen 23.221 in Vorchdorf
Niederbordwagen 23.461, abgestellt in Kirchham

 

 

13) OÖVV-Fahrplan der Traunseebahn vom 18. Juni 2014

14) Klosterplatz neu in Gmunden - Eröffnung

15) Eurailpress.de: Österreich: Gmunden bestellt Straßenbahnen bei Vossloh Kiepe, 28. Jänner 2014

16) Pressemitteilung Stern&Hafferl: 11 hochmoderne Triebfahrzeuge für Stern & Hafferl

17) Aktuelles. StadtRegioTram, abgerufen am 12.März 2016., Abschnitt „Fahrzeug-Anlieferung!“: „Das Abladen wird am Do, 3. Dez. 2015 um ca. 8:00 Uhr beginnen.“

18) Rollout der neuen Triebwagen & Eröffnung der Remise und Werkstätte Vorchdorf. StadtRegioTram Gmunden, abgerufen am 12. März 2016.

19) Im Vorjahr erneut mehr Fahrgäste auf Österreichs Regionalbahnen - Mobilität mit Zukunft. In: www.vcoe.at. VCÖ, abgerufen am 29.April 2016.

20) Salzkammergut: Passagierzunahme bei Lokalbahnen. In: www.nachrichten.at. 21.April 2016, abgerufen am 29.April 2016.

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lokalbahn_Gmunden%E2%80%93Vorchdorf

 

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