Tramlink 126 Sankt Georgen Seniorenheim, MBxd1 11.09.2016

Lokalbahn Vöcklamarkt–Attersee

(Attergaubahn)

Die Lokalbahn Vöcklamarkt–Attersee, auch Attergaubahn genannt, ist eine meterspurige elektri­sche Lokalbahn. Sie verkehrt zwischen den Orten Attersee am gleichnamigen Attersee und Vöck­lamarkt an der Westbahnstrecke Wien–Linz–Salzburg.

 

Die Bahn wurde am 14. Jänner 1913 eröffnet. Die Lokalbahn Vöcklamarkt-Attersee AG befindet sich zu 75,9 % im Besitz der Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft m.b.H. und zu 10,5 % im Besitz des Landes Oberösterreich (OÖ Verkehrsholding), sowie anderen Anteilseignern. Insgesamt ist sie 13,4 Kilometer lang und wird mit 750 V Gleichstrom betrieben. Da die Strecke die ÖBB-Westbahn mit dem Attersee verbindet, hat sie große Bedeutung für den Fremdenverkehr der Region.[1]

 

 

Geschichte

 

Haltestelle Walsberg (1977)

Da bereits um 1900 ein großes Fremdenver­kehrsaufkommen am Attersee bestand, wurde 1907 eine Straßenbahnverbindung zwischen Unterach am Attersee und See am Mondsee errichtet. Um die größte Gemeinde am Atter­see, St. Georgen im Attergau, an das österrei­chische Schienennetz anzubinden, entschloss man sich zum Bau einer Lokalbahn. Die Kon­zession wurde der Lokalbahn am 6. April 1912 (RGBl Nr.72) erteilt. Am 14. Jänner 1913 konn­te schließlich der Betrieb aufgenommen wer­den. Von der ursprünglichen Baulänge (15.300 Kilometer) werden heute nur noch 13.388 Kilo­meter befahren. Einst war der Güterverkehr für die Bahn sehr wichtig, es wurden Lang- und Schnittholz-, Grubenholz-, Dünger- und Bier­transporte mit einem umfangreichen Wagen­park befördert. Den absoluten Tiefpunkt hatte die Bahn 1967 erreicht, in diesem Jahr wurden nur 194.000 Fahrgäste befördert. Der Güterver­kehr spielte fortan nur mehr eine untergeordne­te Rolle – es wurden nur noch Schnittholztrans­porte durchgeführt, der Personenverkehr war am wichtigsten.[2] In den letzten Jahren konnte ein Zuwachs an Pendlern, die die Bahn benut­zen, verzeichnet werden – zurückzuführen auf neu errichtete Siedlungen in der Nähe der Stre­cke.[3] Der Güterverkehr scheint derweilen gänzlich zum Erliegen gekommen zu sein,

Bahnhof St. Georgen im Attergau (1977)

der Güterbahnhof in Vöcklamarkt wurde auf ein Gleis zurückgebaut.

 

Betrieb in der Gegenwart

 

Die Fahrzeuge der Attergaubahn werden in der Remise in Attersee abgestellt. Die Bahn bietet mehrere Angebote in Kombination mit der Atter­see-Schifffahrt an. Die Attergaubahn ist eine von zwei Stern & Hafferl Bahnen, auf der es möglich ist, einen Hobbylokführerkurs mit ei­nem historischen Triebwagen (ET 20.104) zu absolvieren.

 

Im Jahr 2015 nutzen 301.042 Fahrgäste diese Bahnstrecke.[4][5]

 

Fahrplan

 

Triebwagen 26.109 bei Kogl (2016)

Mit Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 wurde auf der Strecke nachmittags der Takt­fahrplan einge- führt und ab 13. Dezember 2009 auf fast den ganzen Tag ausgedehnt. Die Sym­metriezeit entspricht der sonst in Mitteleuropa üblichen. Zugskreuzungen gibt es nun nur noch beim Verkehren von Verstärker- zügen zusätzlich zum Stundentakt. In Vöcklamarkt entstand ein Taktknoten zur halben Stunde mit schlanken Anschlüssen von und nach Salzburg sowie Linz.

 

Auf der Attergaubahn sind weiters noch zwei Sonderzüge unterwegs: der dienstägliche Bummel­zug (bestehend aus der Nostalgiegarnitur, welcher bis Walsberg geführt wird) und der donnerstäg­liche Keltenzug, welcher laut Aushangfahrplan bis Kogl geführt wird. Da jedoch dem Zug meist zwei Beiwagen beigegeben sind, fährt der Zug bis Walsberg weiter. Dort wartet er auf den Gegen­zug, welcher in Walsberg in den Zugsverband eingereiht wird. Sodann fährt der Zug, bestehend aus 2 Triebwagen und zwei Beiwagen, zurück nach Attersee. Weiters sind sogenannte Hobbyfahr­ten (Amateurlokführer) nach Anmeldung jederzeit möglich.

 

Strecke

 

Der Streckenteil Attersee Bahnhof–Landungsplatz, der dem Personenverkehr diente und das "Mo­logleis", die Zufahrt zum Trajekt eines Holzwerkes sind 1972 abgebaut worden. Die Strecke ist für eine Achslast von 7,5 Tonnen und eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h ausgelegt. Die Strom­lieferung für den Betrieb der Bahn erfolgt von der Energie AG. In Vöcklamarkt besteht Anschluss an die ÖBB, in St. Georgen an die regionalen Buslinien und in Attersee an die regionalen Buslinien sowie zur Attersee-Schifffahrt.

 

Bahnhöfe / Ausweichen

 

Auf dieser Strecke gibt es vier Bahnhöfe bzw. Ausweichen.

 

Vöcklamarkt:

 

Der Personenbahnhof Vöcklamarkt besitzt eine Ausweiche. Hier kann bei Beiwagenbe­trieb der Beiwagen umfahren werden, es besteht ein gemeinsamer Bahnsteig mit den Zü­gen der ÖBB. Früher hielten die Garnituren am immer noch bestehenden Aufnahmege­bäude Vöcklamarkt Lokalbahn, welches sich auf der anderen Seite der zweigleisigen Bahnhofsanlage befindet. Als Bahnreisender konnte man die Lokalbahn über eine Fuß­gängerbrücke erreichen, welche Ende der 1980er Jahre durch eine moderne Unterfüh­rung ersetzt wurde. Die Unterführung dient heute dem Zugang von den Parkplätzen zur Lokal- beziehungsweise Bundesbahn. Daneben besitzt die Anlage als Besonderheit ein Gleisdreieck, das den Personenbahnhof und die Strecke Richtung Attersee mit dem Gü­terbahnhof verbindet.

 

Auf der anderen Seite des Gleisdreiecks befindet sich das Areal des Güterbahnhofes Vöcklamarkt. In früheren Tagen sorgte das Sägewerk Häupl in Attersee für Güterverkehr. Die Fracht wurde im Güterbahnhof auf Wagen der ÖBB umgeladen. Der Bahnhof selber bestand aus 3 Gleisen und einem Magazingebäude. Nachdem der Güterverkehr auf der Attergaubahn zusehends weniger wurde und in den 1990er Jahren gänzlich zum Erliegen kam, wurde der Güterbahnhof entbehrlich und auf ein Gleis rückgebaut. Derzeit dient das verbliebene Gleis als Abstellgleis für Arbeitsfahrzeuge.

 

Auf der Strecke selber befinden sich heute zwei Ausweichen. Beide sind mit Rückfallweichen aus­gestattet.

 

Die Haltestelle Walsberg verfügt über zwei Ausweichgleise. Sie besitzt nur ein kleines War­tehäuschen in Betonbauweise und sonst keinerlei andere Einrichtungen. Hier enden planmä­ßig einige Kurzführungen von Attersee.

 

St.Georgen im Attergau war einst ein mit Personal besetzter Bahnhof mit zwei Ausweich­gleisen, einem Abstellgleis, einem Ladegleis sowie einem kurzen Gleis zur Abstellung des Turmwagens. Daneben wurde ein Magazingebäude errichtet. Hier enden planmäßig zwei Kurzführungen von Attersee. 2009 erfolgte der Umbau des Bahnhofes. Die Gleisanlagen wur­den auf zwei Bahnsteiggleise mit Mittelbahnsteig reduziert. Aus beiden Gleisen zweigt auf dem Bahnhofskopf Richtung Vöcklamarkt jeweils ein Gleisstutzen ab, der zum Abstellen von Arbeitsfahrzeugen genutzt wird.

 

Der Bahnhof Attersee bietet ebenfalls eine Umfahrungsmöglichkeit, welche jedoch nur sel­ten genutzt wird. Im Falle eines Bummelzugeinsatzes (Nostalgiezug) wird mit Schwerkraft ver­schoben. Der Bahnhof selber besteht aus drei Gleisen, welche zum Abstellen der Fahrzeuge und auch zum Fahrgastbetrieb nötig sind. 2015 wurde der Bahnhof renoviert, seitdem besteht am Hausgleis ein asphaltierter Bahnsteig, von dem die Züge nach Vöcklamarkt abfahren. Der Bahnhof ist barrierefrei. Ebenfalls im Jahr 2015 wurde die ehemals zweiständige Remise auf alle vier Gleise erweitert.[6] In Attersee ist ferner der Fahrdienstleiter für die gesamte Strecke stationiert. An Hochbauten findet sich das schmucke Bahnhofsgebäude mit angeschlossenem Magazintrakt.

 

Vom Bahnhof Attersee führte die Strecke weiter zum Landungsplatz und endete dort stumpf, eine direkte Umstiegsmöglichkeit zur Attersee-Schifffahrt war hier gegeben. Eine andere, nur für den Güterverkehr erbaute Strecke führte hinunter zum Hafen der Attersee-Schifffahrt. Der Grund hier­für war das Sägewerk Häupl, welches einige hundert Meter südlich der Hafenanlagen gelegen ist und nur mittels Trajekt erreichbar war. So wurden täglich über das Trajektschiff "Resi" Güterwagen zum Sägewerk überstellt, dort auf dem Trajektschiff beladen, um schließlich wieder zum Hafen der Attersee-Schifffahrt zurückzukehren. Dieses Verfahren wurde bis 1966 aufrechterhalten, danach stieg das Sägewerk Häupl auf den günstigeren LKW um und der kuriose Transport über den See fand sein Ende.

 

Fahrzeuge

 

→ Hauptartikel: Fahrzeuge der Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft

 

Übersicht über die auf der Attergaubahn eingesetzten Fahrzeuge:

 

 

Von September bis November 2009 befand sich der Flexity Outlook Triebwagen 321 der Innsbru­cker Verkehrsbetriebe leihweise zu Vorführzwecken im Attergau.

 

Im Jänner 2014 unterzeichnete Stern & Hafferl einen Vertrag für 11 neue Triebfahrzeuge für die StadtRe gioTram Gmunden und die Attergau­bahn. Am 10. September 2016 erfolgte die Be­triebsübernahme durch Triebwagen des Typs Tramlink von Vossloh.[7][8] Die fünfteiligen Ge­lenktriebwagen sind 32 Meter

Bahnhof Attersee (2008)
Remise in Attersee (2015)
Triebwagen 26.111 und einer der ehemaligen AOMC-Triebwagen in Attersee (2008)

lang, 2,40 Meter breit und bieten 183 Fahrgästen Platz.[9] Als er­ster der neuen Triebwagen wurde der 125 am 19. August 2015 von Vorchdorf nach Attersee über­führt.[10] Ebenfalls im August 2016 folgte Trieb­wagen 124, im September der 126.

 

Die Bahn besitzt mehrere historische Fahrzeuge, darunter ein Fahrzeug der Pressburgerbahn, den in einen Beiwagen umgebauten Triebwagen 2 der ELBUS sowie einen Beiwagen der Florianerbahn.

 

 

Einzelnachweise

 

  1. Stern & Hafferl

  2. Buch: Die Unternehmung Stern & Hafferl I. In den 1970er Jahren musste die Bahn dem Auto Tribut zollen: die Strecke zwischen Attersee und Attersee Landungsplatz (hier war ein direktes Umsteigen zwi­schen Attersee Schifffahrt und Lokalbahn möglich) mittste, da auf der Straße situiert, aufgegeben wer­den. Peter Pospischil Herausgeber: Bahn im Bild, Band 12, 1980, Seite 75

  3. Regionale Schiene: Ausgabe 3/2008, Seite 45

  4. Im Vorjahr erneut mehr Fahrgäste auf Österreichs Regionalbahnen - Mobilität mit Zukunft. In: ww­w.vcoe.at. VCÖ, abgerufen am 29. April 2016.

  5. Salzkammergut: Passagierzunahme bei Lokalbahnen. In: www.nachrichten.at. 21. April 2016, abge­rufen am 29. April 2016.

  6. Das ursprüngliche Gebäude war in den 1980er Jahren abgebrannt, wobei die darin abgestellte No­staligegarnitur aus den Flammen gerettet werden konnte.

  7. Fahrplan der Attergaubahn mit Verweis auf barrierefreie Fahrzeuge auf allen Fahrten ab 1. Septem­ber 2016 (PDF)

  8. Ankündigung zum Einsatz der Tramlink-Triebwagen ab 10. September 2016

  9. 11 hochmoderne Triebfahrzeuge für Stern & Hafferl. Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft m.b.H., ab­gerufen am 5. Februar 2013.

  10. Erster Tramlink für die Attergaubahn erfolgreich überstellt!

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lokalbahn_V%C3%B6cklamarkt%E2%80%93Attersee

 

Fotos:

01 - 15 Stern & Hafferl Presse

16 - 29 bahnbilder.de

30 - 89 wikipedia commons

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