S1 / 11 (Graz-) Peggau–Übelbach

Die Lokalbahn Peggau–Übelbach, manchmal auch Landesbahn Peggau–Übelbach oder Übelbacherbahn genannt, ist eine normalspuri­ge Regional- bahn in der Steiermark.

 

Die Strecke wird heute von den Steiermärki­schen Landesbahnen (STLB) be- trieben. Sie ist mit 15 kV Wechselstrom mit 16,7 Hz elektrifi­ziert, wird im Zugleitbetrieb geführt[1] und ist in den Verkehrsverbund Steiermark integriert.

 

 

Geschichte

 

Die Erschließung des Übelbacher Tales mittels Schiene sollte sowohl den starken Güterver­kehr zur Guggenbacher Papierfabrik erleichtern als auch ein bequemeres Erreichen der Glein­alpe als Ausflugsziel ermöglichen.

 

ET 12 in Peggau-Deutschfeistritz, 1992
StLB ET 14 in der Haltestelle „Übelbach Vormarkt“

Die Planungen starteten bereits am 2. Februar 1895 durch Edmund Schiller. Er erhielt eine Vorkon-zession für eine elektrische Lokalbahn von Peggau über Deutschfeistritz, Waldstein und Übelbach nach Kleintal. Am 20. Dezember 1915 wurde den Herren Johann Edler von Fay­rer und Dr. Viktor Baldauf die Konzession zum Bau der Bahnstrecke erteilt.

 

Wegen der im Tal vorhandenen Pulverfabriken wurde die elektrische Traktion gewählt und als Energie-lieferant das 1908 in Betrieb gegange­ne Kraftwerk Peggau.

 

Die Bahnstrecke, die ursprünglich von der Süd­bahnstation Stübing ihren Anfang hätte neh­men sollen, wurde von der 1918 gegründeten Aktiengesellschaft Lokalbahn Peggau–Übel­bach am 3. September 1919[2] eröffnet. Durch einen Zusammenstoß mit einem Dampfzug wurde jedoch der Motorwagen beträchtlich be­schädigt, sodass der elektrische Betrieb erst im Mai 1920 wieder aufgenommen werden konn­te.[3] Die Betriebsführung lag in Händen der Südbahngesellschaft.

 

Am 1. Jänner 1924 wurde die Betriebsführung durch die BBÖ übernommen. Am 1. Juli wechselte die Betriebsführung auf das Steiermärkische Landeseisenbahnamt. Die Auflösung der Aktien­gesellschaft „Lokalbahn Peggau–Übelbach“ und die Übertragung des gesamten Vermögens an das Land Steiermark erfolgte am 30. Juni 1942.

 

Die Strecke wurde ursprünglich mit 2200 Volt Gleichspannung elektrifiziert, dies war zur Bau­zeit die höchste Gleichspannung für Bahnen in Europa[4] und wurde erst später von den 3000-V-Netzen in mehreren Ländern übertroffen. Als 1968 der Abschnitt Bruck an der Mur–Graz der Südbahn elektrifiziert wurde, wurde auch die Strecke nach Übelbach auf das Wechselspan­nungssystem der ÖBB (15 kV 16⅔ Hz) umge­stellt.[5]

 

Um 1973 gab es konkrete Überlegungen die Übelbacherbahn zur Gänze einzustellen, da es die ersten Planungen für den Bau der Pyhrnau­tobahn gab. Die Trasse der Übelbacherbahn sollte für den Bau der Straße genützt werden. Schließlich wurde die Planung geändert und der vor­gesehene Autobahnknoten verlegt, sodass die Bahn bestehen blieb.

In den 1980er-Jahren sollte die Lokalbahn wegen schwindenden Fahrgastzahlen eingestellt wer­den, doch dank dem Verein FAHRGAST Graz/Steiermark wurden neue Haltestellen errichtet und somit konnte die Einstellung verhindert werden. Die Bahn fuhr hinterher mit 40 Prozent mehr Fahr­gästen.

 

Das 1919 errichtete Bahnhofsgebäude des Bahnhofs Übelbach steht unter Denkmalschutz.[6]

 

Seit 9. Dezember 2007 ist die Strecke als S11 in die S-Bahn im Großraum Graz eingebunden. Mit der S-Bahn ist in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht eine wesentliche Verbesserung des Verkehrsangebotes eingetreten. Zwischen Übelbach und Graz ist es gelungen, erstmals umsteige­freie Direktzüge zu führen. Am 10. Dezember 2007 fuhr erstmals die S11 von Übelbach direkt nach Graz.

 

Auf der Strecke Peggau–Übelbach bestand bis 14. Dezember 2009 keine Möglichkeit, in den Hal­tepunkten entlang der Strecke ohne größeren Zeitaufwand Zugkreuzungen abzuwickeln. Um den Fahrplan ab Dezember 2009 insbesondere in der Frühverkehrsspitze zu verdichten, wurde eine Ausweiche errichtet. Dafür bot sich besonders die Haltestelle Waldstein an, die ungefähr in der Mitte der Strecke liegt. Das Ausweichgleis wurde komplett neu verlegt und hat nun eine nutzbare Läne von 91 Meter. Der neu gestaltete Mittelbahnsteig hat eine Länge von 70 Meter und bietet ausreichend Platz für den Fahrgastwechsel. Im Zuge der Bauarbeiten wurde die Oberleitung im Bereich der Haltestelle neu errichtet und der neuen Gleislage angepasst.

 

Unfälle

 

Der ET 12 wurde am 4. Mai 1994 bei einem Zusammenstoß mit einem Traktor beschädigt und war anschließend nicht mehr im Einsatz. Im November 1996 erfolgte die Überstellung an den Verein Nostalgiebahnen in Kärnten.

 

Am 20. November 1995 kollidierte dann der ET 13 mit einem LKW der Fensterfabrik Gaulhofer in Guggenbach. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der talseitige Führerstand eingedrückt und das gesamte Fahrzeug gestaucht. Da die Erhaltung des Fahrzeuges aufgrund von fehlenden Ersatztei­len schon bisher schwierig war entschied man sich für die Ausmusterung. Im April 1997 erfolgte die Überstellung nach Tschechien. Die Drehgestelle wurden von den Jurabahnen übernommen.

 

Am 6. Mai 2015 ereignete sich um etwa 10:15 Uhr nahe dem Kreuzungspunkt Waldstein ein schwerer Unfall. Beim Frontalzusammenstoß der Züge 8787 (Peggau-Deutschfeistritz–Übelbach) und 8762 (Übelbach–Peggau-Deutschfeistritz) wurde der Triebfahrzeugführer von Zug 8762 getö­tet. Eine Reisende wurde lebensgefährlich verletzt und verstarb im Spital[7], acht weitere Perso­nen, darunter zwei Kinder, wurden verletzt. Die beiden Züge hatten Freigabe bis Waldstein durch den Fahrdienstleiter im Bahnhof Weiz. Dort hätte die Zugkreuzung wie folgt abgewickelt werden müssen: Halt von Zug 8762 vor der Trapeztafel; Einfahrt von Zug 8787; Abgabe des Signals »Kommen« durch Zug 8787; Einfahrt von Zug 8762. Stattdessen fuhr Zug 8762 ohne Halt vor der Trapeztafel in den Bahnhof ein, hielt für einen Fahrgastwechsel und setzte seine Fahrt fort. Etwa 200 Meter östlich von Waldstein kam es zum Zusammenstoß der Triebwagenzüge, die zum Kollisi­onszeitpunkt eine Geschwindigkeit von 38 bzw. 33 km/h hatten. Die Unfallstelle liegt in einem Gleisbogen, der die gegenseitige Sicht aufeinander verhinderte. Die zulässige Geschwindigkeit an dieser Stelle beträgt 50 km/h.[8][9][10] Bei dem Unfall wurden die beiden Stadler GTW der Baurei­he 4062 schwer beschädigt. Nach dem Unfall wurden diverse Maßnahmen umgesetzt, u.a. die Ausrüstung des Bahnhofs Waldstein mit 2000-Hz-Magneten und Videoüberwachung sowie diverse optische Hervorhebungen von Zugkreuzungen in Unterlagen des Zugpersonals. Im Zuge der Un­tersuchung wurden mehrfach Beinahe-Kollisionen in der Vergangenheit erwähnt, welche nicht an die Behörde gemeldet wurden.[11]

 

Fahrzeugeinsatz

 

4062 001-4 in Übelbach

Ab der Umstellung auf Wechselspannung (1968) wurden zwei ehemalige ÖBB-Trieb­wagen der Reihe 4042 (ursprünglich BBÖ ET 11, bei der StLB ET 11 und 12) sowie ein ge­brauchter Triebwagen der Schweizerischen Südostbahn (ET 13) eingesetzt.[12]

 

Für den Personenverkehr standen von 1994/1996 bis 2011 zwei von der SZU (Sihltal–Zürich–Uetliberg) übernommene Triebwagen­garnituren (ET 14 und ET 15) zur Verfügung. Kurioserweise befanden sich in den Wagen bis

zum Schluss die alten Streckenpläne; es wurde auch nur eine Garnitur auf das Farbschema der STLB umlackiert.

 

Ab 2007 wurde ein von den ÖBB angemieteter Triebwagen des Typs 4023 eingesetzt, der auch di­rekte Verbindungen von Übelbach nach Graz ermöglichte.

 

2009 wurden drei neue elektrische Triebwagen der Reihe 4062 (Typ Stadler GTW 2/6) bestellt und 2011 in Betrieb genommen. Da die ehemaligen SZU-Triebwagen nicht mehr einsatzfähig, die neu­en Triebwagen jedoch noch nicht zugelassen waren, gab es im Lauf des Jahres 2011 verschiede­ne Zwischenlösungen mit Triebwagen der Montafonerbahn und der Linzer Lokalbahn. Einige Züge verkehren von Übelbach über Peggau bis Graz, diese wurden bis November 2011 wegen fehlen­der Zulassung der GTW für die ÖBB-Strecke mit einem Triebwagen der ÖBB-Reihe 4024 betrie­ben.

 

Seit Mitte 2012 sind fast ausschließlich die neuen 4062 auf der Strecke Peggau–Übelbach unter­wegs. Die Garnituren weisen niederflurige Einstiege, klimatisierte Fahrgasträume und eine behin­dertengerechte Ausstattung auf. Außerdem gibt es bei allen Sitzen Steckdosen für Handys und Laptops sowie Haltewunschtaster. In den hellen Fahrgasträumen mit großen Fenstern stehen pro Zug 97 Sitzplätze zur Verfügung. Die bei einem Unfall am 6. Mai 2015 schwer beschädigten 4062 001 und 4062 002 wurden zunächst in der Remise Übelbach hinterstellt, dann im September/Okto­ber 2015 zu Stadler Rail zur Reparatur überführt.[13]

 

Die an der Strecke liegenden Güteranschlussgleise werden mit Diesellokomotiven oder dem seit November 2011 wieder aufgearbeiteten ET 15[14] bedient.

 

 

Einzelnachweise

1) Schienennetz-Nutzungsbedingungen für die Steiermärkischen Landesbahnen und die Lokalbahn Mixnitz - St. Erhard AG

2 Bahneröffnung. In: Wiener Zeitung, Wiener Abendpost, Nr. 201/1919, 3. September 1919, S. 4, unten links. (Online bei ANNO).

3 van Nes: Die elektrische Lokalbahn Peggau–Übelbach, S. 494.

4 van Nes: Die elektrische Lokalbahn Peggau–Übelbach, S. 489.

5) Marktgemeinde Übelbach (Hrsg.): 90 Jahre Übelbacher Bahn. 1919–2009. In: uebelbach.gv.at, 10. November 2009, abgerufen am 12. Februar 2013.

6) Denkmalliste des Landes Steiermark (PDF; 372 kB)

7) Kleine Zeitung vom 8. Mai 2015: Zugunglück nördlich von Graz forderte zweites Todesopfer (abgerufen am 8. Mai 2015)

8) ORF Steiermark am 6. Mai 2015: Zwei Personenzüge kollidiert - Lokführer getötet (abgerufen am 6. Mai 2015)

9) Kleine Zeitung vom 5. Mai 2015: Ein Toter Lokführer nach Zug-Kollision bei Graz (abgerufen am 6. Mai 2015)

10) Kurier vom 6. Mai 2015: Lokführer starb bei Frontalkollision zweier Züge (abgerufen am 6. Mai 2015)

11) Untersuchungsbericht – Kollision Z 8762 und Z 8787 nächst Vstu Waldstein (StLB). Bundesanstalt für Verkehr, 16. Juni 2016, abgerufen am 13. Juli 2016.

12) Die Übelbacherbahn auf alpenbahnen.net (mit Bildern der älteren Triebwagen)

13) Eisenbahn Österreich 11/2015, Seite 562

  1. StLB ET 15 wieder im Einsatz, Drehscheibe Online, 19. November 2011

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lokalbahn_Peggau%E2%80%93%C3%9Cbelbach

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