Landesbahn Unzmarkt–Tamsweg

Murtalbahn

Die Murtalbahn ist eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 760 Millimetern (Bosnische Spur­weite), die von Unzmarkt im österreichischen Bundesland Steiermark über Murau und Tamsweg nach Mauterndorf im Bundesland Salzburg führt.

 

Die Strecke ist die zweitlängste Schmalspurbahn Österreichs und wird bis Tamsweg von den Stei­ermärkischen Landesbahnen (StLB) betrieben. Bis dort folgt sie dem Tal des namensge-benden Flusses Mur. Die Strecke bis Tamsweg ist sowohl in den Salzburger Verkehrsverbund als auch in den Verkehrsverbund Steiermark integriert. Der Restabschnitt wurde nach Einstellung des regulä­ren Betriebs von der Taurachbahn-Gesellschaft gepachtet. Diese ist eine Unterorganisation des Club 760 und führt dort einen saisonalen Museumseisen-bahnbetrieb mit eigener Konzession durch. Der Name leitet sich von der Südlichen Taurach ab, entlang derer die Bahn im oberen Ab­schnitt verläuft.

 

Geschichte

 

Bereits 1888 traten die ersten Interessenten für den Erwerb einer Konzession für eine Schmal­spurbahn in Erscheinung. 1888 scheiterte Ing. Hermann Ritter. 1889 versuchte es das Bau­unternehmen Stern & Hafferl als Konzessionwer­ber für die Lokalbahn Sankt Lambrecht–Murau–Tamsweg–Mauterndorf. Doch auch hier scheiter­te das Projekt wegen zu hoher Kosten.

 

Am 31. März 1892 beschloss der Steiermärki­sche Landtag aus Kostengründen, die Mur­talbahn als Schmalspurbahn anlegen zu lassen. Die Zentralregierung in Wien bestand wie bei zahlreichen anderen Bahnprojekten auf einer Spurweite von 760 mm. Am 7. April 1893 wurde dem steiermärkischen Landesausschuss die Konzession zum Bau und zum Betrieb der Lokalbahn Unzmarkt – Mauterndorf für 90 Jahre geneh­migt. Der Bau wurde der Firma Stern &Hafferl übertragen. Der Spatenstich erfolgte am 27. August 1893 durch Adolph Joseph Fürst. Am 22. September 1894 fanden bereits die ersten Probefahrten statt. Am 7. Oktober 1894 war die 76,230 km lange Bahnstrecke von Unzmarkt nach Mauterndorf fertiggestellt. Die damalige Streckenhöchstgeschwindigkeit wurde mit 30 km/h festgelegt. Ausge­nommen davon war der Abschnitt Ramingstein-Thomatal–Tamsweg. Hier galt eine Strecken­höchstgeschwindigkeit von 25 km/h.

 

Aktie der Murthalbahn Unzmarkt-Mauthendorf von 1895

 

 

Schon damals wurden auf der Murtalbahn zur Verständigung zwischen den Bahnhöfen und den auf der Strecke befindlichen Zügen Telefone eingesetzt. Die Murtalbahn war somit die erste Bahn Österreichs, die das Zugmeldeverfahren mittels Telefon durchführte.

 

Die feierliche Eröffnung der Murtalbahn wurde am 8. Oktober 1894 mit einem Sonderzug von Leo­ben nach Unzmarkt zelebriert, der knapp 200 Feiergäste nach Unzmarkt brachte. Zitat des damali­gen Bürgermeisters Josef Mitteregger bei der Eröffnungsrede: „Die Teilnahme an dieser Feier so­wohl seitens der Bevölkerung von Murau wie der Umgebung möge beweisen, welches Interesse besteht. Unser lang gehegter Wunsch nach einer Eisenbahnverbindung ist nun in Erfüllung ge­gangen, mit dem nächsten Zug wird unsere Bahn dem allgemeinen Verkehr dienen und unser stil­les Tal wieder beleben. Das verdanken wir dem hohen Steiermärkischen Landtag und hervorra­genden Männern des Landes.“

 

Die ersten Betriebsjahre der Murtalbahn liefen nur schleppend. Doch von Jahr zu Jahr brachte die Murtalbahn mehr Touristen in die Stadt Murau, und 1896 gab es auch starke Zunahmen im Güter­verkehr. Zum Beschleunigen des Verkehrs wurden mit 1. Oktober 1912 die Haltestellen Gestüthof, Cäciliabrücke, Kendlbruck, Madling, Lintsching und Steindorf-Faningberg zu Bedarfshaltestellen umgewandelt. In der Zeit von 1933 bis 1939 kamen die ersten Austro-Daimler-Benzin-Triebwagen zum Einsatz, die eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h erreichten. Allerdings musste später wieder auf Dampf umgestiegen werden, denn die Triebwagen liefen nicht problemlos. Unfälle, technische Schwierigkeiten, Treibstoffmangel und Reparaturanfälligkeiten führten dazu, dass 1939 die Triebwagen wieder ersetzt wurden.

 

Am 1. Juli 1942 übernahm das Land Steiermark die Murtalbahn. Die Aktiengesellschaft Murtalbahn Unzmarkt–Mauterndorf wurde aufgelöst und das Vermögen dem Land Steiermark übertragen. Zu­erst wurde die Murtalbahn unter der Bezeichnung Gaueisenbahn Unzmarkt–Mauterndorf und nach Kriegsende als Landesbahn Unzmarkt–Mauterndorf (U–M) geführt.

 

In den Jahren 1964 bis 1967 wurden die ersten dieselelektrischen Triebfahrzeuge angeschafft. Mit der Umstellung auf diese Technik schien das Zeitalter der Dampflokomotiven vorbei. Eisenbahn­liebhaber, Bahnverantwortliche und Fremdenverkehrsmanager setzen sich jedoch weiter für Dampflokomotiven ein. Somit erschienen im Jahr 1968 die Dampfbummelzüge. Seit 1969 sind die­se fester Bestandteil des Fahrplanes der Murtalbahn.

 

Um zusätzlich das Interesse der Bevölkerung auf die Murtalbahn zu lenken, wurde 1969 die Idee der Amateurlokfahrten geboren. Diese wurden mit der Dampflokomotive Steinz 2, Baujahr 1892, älteste Lokomotive der Steiermärkischen Landesbahnen, durchgeführt. Seit dieser Zeit hat jeder die Möglichkeit, einmal selbst eine Dampflokomotive zu führen.

 

Im März 1973 wurde der öffentliche Personenverkehr auf dem 11 km langen Teilstück Tamsweg–Mauterndorf eingestellt, 1980 auch der Güterverkehr. 2011 wurde das Gebäude des Bahnhofs Ra­mingstein-Thomatal aufgrund zu hoher Erhaltungskosten abgebrochen. Für die Fahrgäste wird nun ein Unterstand errichtet. Seit 2012 fahren Dampfzüge der Murtalbahn wieder bis Wölting.[1]

 

Oberhalb dieser Endstelle wird nach den schon 1983 begonnenen Vorarbeiten vom Club 760 unter dem Namen Taurachbahn[2] seit 1988 ein Museumsverkehr durchgeführt. Dessen Züge halten an den Stationen zwischen dem oberen Streckenende und Sankt Andrä im Lungau und wenden et­was unterhalb davon beim ehemaligen Anschluss Funcke.

 

Probleme gab es jedoch mit der Teilstrecke Tamsweg–Mauterndorf. Die 11 km lange Trasse im Lungau verläuft nicht ideal und die Haltestellen sind von den Orten zu weit entfernt, um für die Be­völkerung attraktiv zu sein. Aufgrund der mangelnden Auslastung musste am 31. März 1973 der öf­fentliche Personenverkehr und am 1. September 1981 schließlich der gesamte Verkehr eingestellt werden. Dadurch wurde die offizielle Bezeichnung der Murtalbahn von Landesbahn Unzmarkt–Mauterndorf auf Landesbahn Unzmarkt–Tamsweg (U–T) geändert.

 

Immer wieder gab es Überlegungen, den Personenverkehr zur Gänze von der Schiene auf die Straße zu verlegen. Die Entscheidung fiel zugunsten der Schiene. Daraufhin investierten die Stei­ermärkischen Landesbahnen in neue Triebwagen. Am 28. November 1980 wurde der erste Trieb­wagen (VT 31) nach Murau geliefert. Bereits am 9. Februar des Jahres hatte der Probeverkehr im Personenverkehr begonnen. 1981 wurden weitere drei Triebwagen (VT 32–34) angeschafft und zusätzlich vier Steuerwagen (VS 41–44) im Jahr 1982. Diese Fahrzeuge sind bis heute dort im Einsatz.

 

Von 24. Juli abends bis 25. Juli 11 Uhr war die Bahnstrecke 2016 nach Murenabgängen in Tams­weg (Lasaberg, Einöden) an einer Stelle verlegt und daher gesperrt.[3]

 

Betrieb

 

Heute verkehrt auf der Murtalbahn im Personenverkehr alle zwei Stunden ein Zug. Die Zugkreu­zungen finden zur geraden vollen Stunde in Murau statt. Zum Einsatz kommen die Dieseltrieb­wagen VT 31–35, teilweise in Mehrfachtraktion und mit Steuerwagen.

 

Außerdem besteht Güterverkehr, der von den 1966 gebauten Diesellokomotiven der Serie VL 11–16 durchgeführt wird.

 

Die Hauptwerkstätte der Murtalbahn befindet sich am Bahnhof Murau. Hier sind des Weiteren die nicht betriebsfähigen Lokomotiven U.40, U.43 und die Stainz 2 abgestellt.

 

Die Steiermärkischen Landesbahnen investieren in den Betrieb und in die Erhaltung der Strecke, die Infrastruktur befindet sich in einem mit normalspurigen Hauptstrecken vergleichbaren Zustand. Der Fortbestand der Murtalbahn galt zumindest 2011 kurzzeitig als nicht gesichert. Als Grund wur­de die finanziell schwache Lage des Landes Steiermark angegeben.[4] Tamswegs Bürgermeister vertritt die Ansicht, dass die Murtalbahn als ein Teil des Regionalverkehrskonzepts unverzichtbar sei,[5] und auch der steirische Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann will die Bahn erhalten, ver­weist aber auf die enge budgetäre Lage.[6]

 

Fahrzeuge

 

Die Murtalbahn verfügte 2007 über

 

4 Dampfloks

3 Dieselloks

5 dieselelektrische Triebwagen und 4 Steuerwagen (davon einer in Murau abgestellt)

2 normale Personenwagen

2 Gepäckwagen

97 Güterwagen

 

Die ersten vier dieselelektrischen Triebwagen (VT 31–34) wurden zwischen 1981 und 1982 von der Firma Knotz in Wien gebaut, der fünfte (VT 35) 1999 von ELIN geliefert. Nach deren Vorbild wurde die Reihe 5090 der ÖBB gestaltet.

 

 

Tourismus

 

In den Sommermonaten setzen die Steiermärkischen Landesbahnen Dampfbummelzüge in Ver­kehr, die dienstags und donnerstags das landschaftlich reizvollste Stück zwischen Murau und Tamsweg befahren.[7] Insbesondere das Engtal zwischen Madling und Tamsweg-St. Leonhard gilt als Abschnitt mit lohnenden Fotomotiven. Gezogen werden die Fahrten von Lokomotiven der Ty­pen Bh.1 oder U.11. Auf der Strecke können Dampfsonderzüge in Anspruch genommen und Ama­teurlokfahrten bestellt werden.

 

Im Bahnhof Frojach-Katschtal befindet sich in einer vom Club 760 eigens errichteten Fahrzeughal­le ein Schmalspurbahnmuseum. Der Club 760, Verein der Freunde der Murtalbahn, wurde im Jahr 1969 anlässlich der 75-Jahr-Feier der Murtalbahn gegründet. Benannt ist der Club nach der Spur­weite der Murtalbahn (760 mm).

 

Bilder

 

Dieseltriebwagenzug
Innenraum eines der VT-Triebwagen (2004)
Diesellok mit Güterzug in Murau
Die Betriebswerkstätte in Murau, hier werden die Fahrzeuge gewartet und repariert.

Einzelnachweise

1) Bahnerlebnis Lungau

2) http://www.club760.at/html/Taurachbahn.htm

3) http://salzburg.orf.at/news/stories/2787467/ Murtalbahn nach Hangrutsch wieder offen, orf.at, 25. Juli 2016, abgerufen 25. Juli 2016.

4) ORF Salzburg: Bangen um Fortbestand der Murtalbahn

5) ORF Salzburg: Lungauer wollen Murtalbahn erhalten Kleine Zeitung: Kurzmann: „Ich will die Bahn erhalten“

6) Informationsblatt der Steiermärkischen Landesbahnen (PDF; 860 kB), abgerufen am 18. Juli 2011.

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Murtalbahn

 

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