ET1 Hofstaetten 20.12,2009

Landesbahn Feldbach–Bad Gleichenberg

Die Landesbahn Feldbach–Bad Gleichenberg auch Lokalbahn Feldbach–Bad Gleichenberg oder Gleichenberger Bahn genannt, ist eine normalspu­rige und mit Gleichstrom betriebene Eisenbahn­strecke im österreichischen Bundesland Steier­mark. Die Bahnlinie wurde 1931 eröffnet. Sie ist 21,214 Kilometer lang und steht im Eigentum der Steiermärkischen Landesbahnen (STLB), die auch Betreiber der Strecke ist. Die Stichbahn schließt in Feldbach an die Steirische Ostbahn an und hat ih­ren Endpunkt in Bad Gleichenberg. Weiterführen­de Planungen bis Bad Radkersburg konnten nie realisiert werden. Die Strecke ist seit 28. Februar 1994 in den Verkehrsverbund Steiermark inte­griert.

 

Bau und Betrieb

 

Die Geschichte der Landesbahn [1] reicht bis zum 14. April 1886 zurück, als erstmals ein Projekt einer Eisenbahnlinie von Feldbach nach Bad Gleichenberg, mit der Option einer Verlängerung nach Bad Radkersburg, vorgelegt wurde[Anm. 1].

 

1900 wurde einem Dr. Hermann Brück, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, der Auftrag für techni­sche Vorarbeiten zum Bau einer normalspurigen Lokalbahn von der Station Feldbach über Glei­chenberg zur Station Purkla der Linie Spielfeld–Radkersburg erteilt.[2]

 

Mitte 1909 wurde von einer geplanten Lokalbahn Fehring–Gleichenberg–Radkersburg berichtet. Für eine Variante dieses Projekts, eine von Mahrensdorf über Windisch-Kölldorf nach Bayerisch-Kölldorf führende Linie, war vom Eisenbahnministerium die Vornahme technischer Vorarbeiten be­willigt worden.[3]

1916/1917, in der Zeit des Ersten Weltkriegs, war das in Mühldorf bei Feldbach situierte Kriegsge­fangenenlager mit einer Schleppbahn an die Steirische Ostbahn angeschlossen. Das Lager blieb nach Kriegsende als Lazarett bestehen.

 

Am 17. März 1926 erfolgte der Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung, den Bahnbau von Feldbach nach Bad Gleichenberg wieder aufzunehmen, worauf im Jänner 1927 die politische Begehung der geplanten Trasse erfolgte. Am 10. Dezember 1928 wurde die Konzession auf 90 Jahre an Landesrat Franz Winkler und Rechtsanwalt Dr. jur. Gustav von Webenau (beide Graz) er­teilt.[4]

 

Am 20. Juni 1931 wurde auf der Strecke der Personen- und Güterverkehr aufgenommen. Die Be­triebsführung wurde dem Steiermärkischen Landeseisenbahnamt übertragen. Die Strecke wurde mit 1500 Volt Gleichstrom elektrisch betrieben.

 

Am 4. April 1932 erfolgte die Gründung der „Aktiengesellschaft Lokalbahn Feldbach–Bad Glei­chenberg“, die am 2. Juli gleichen Jahres vom Bundesministerium für Handel und Verkehr die Be­willigung zur Vornahme technischer Vorarbeiten einer Verlängerung nach Purkla zum Anschluss an die Radkersburger Bahn erhielt. Das Projekt ging aber nie über das Planungsstadium hinaus.

 

Mit der Auflösung der Aktiengesellschaft der Lokalbahn Feldbach–Bad Gleichenberg am 30. Juni 1942 wurde die Konzession und das Vermögen an das Land Steiermark übertragen, womit die „Lo­kalbahn“ zur „Landesbahn“ wurde.

 

Im April 1945 wurde anlässlich des Zweiten Weltkriegs das gesamte Gebiet der Bahnstrecke zum unmittelbaren Kriegsschauplatz. Die Bahnstrecke wurde dabei erheblich in Mitleidenschaft gezo­gen. Der Betrieb konnte erst am 1. November 1947 – vorerst provisorisch mit Dampflokomotiven – wieder aufgenommen werden. Die Wiederherstellung der Oberleitung und die Aufnahme des elek­trischen Verkehrs dauerte bis 15. November 1948.

 

Mit der Aufnahme des Autobusbetriebes der StLB zwischen Feldbach über Straden nach Bad Rad­kersburg am 16. Dezember 1947 wurde die beabsichtigte Verlängerung der Bahnstrecke endgültig ad acta gelegt. Zwischen 1962 und 1970 wurde eine direkte Verbindung mit Dieseltriebwagen zwi­schen Wien Südbahnhof und Bad Gleichenberg als E 953 / E 954 „Oststeirer“ angeboten. Danach wurde dieser Zug von Wien nach Graz geführt, nach Bad Gleichenberg wurde noch einige Jahre ein Kurswagen beigegeben.

 

In der Zeit zwischen 1. Jänner 1987 und 30. Juni 2005 wurde der Schnellstückguttransport „Bahn­express“ angeboten.

 

Nachdem die alte Quecksilberdampfgleichrichterstation in Gnas nicht mehr den Ansprüchen ge­nügte, wurde diese 1975 gegen eine Siliziumdioden-Gleichrichteranlage getauscht. Das Stromsys­tem wurde bei dieser Gelegenheit auf 1.800 V Gleichstrom umgestellt. Diese Anlage wurde 1992 nochmals erneuert. Zwischen 1991 und 1995 wurde die gesamte Oberleitung zwischen Feldbach und Gnas abschnittsweise erneuert.

 

Infrastruktur

 

Da viele Gemeinden an die Bahn angeschlossen werden wollten, folgt sie nicht der direktesten Linie, sondern verläuft überaus kurvenreich und ist knapp doppelt so lang wie die Straßenverbindung zwischen den beiden Orten. Die Strecke ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h ausgelegt. Der engste Radius beträgt 140 Meter. Hinzu kommen, bedingt durch das Südoststeirische Hügelland, Steigungen bis zu 42 Promille. Dies schlägt sich in der langen Gesamtfahrzeit von 33 Minuten nieder. Die Strecke Feldbach–Bad Gleichenberg weist 82 Eisenbahnkreuzungen auf und ist mit 32 Weichen ausgestattet.[5]

 

Fahrzeuge

 

Der Betrieb auf der Gleichenberger Bahn wird mit zwei Elektrotriebwagen und einer Elektrolo­komotive abgewickelt.

 

Der „ET1“ wurde am 16. Jänner 1980 nach vollständiger Überarbeitung und Modernisie­rung wieder in Betrieb genommen. Am 16. September 1991 wurde der nach gleichem Muster umgebaute „ET 2“ wieder in Dienst ge­stellt. Bei beiden Fahrzeugen wurden unter an­derem die hölzernen Aufbauten durch stähler­ne Wagenkästen ersetzt. Im Jahr 2002 erfolgte der Umbau der Elektrolokomotive „E 41“ inklu­sive Ausstattung mit einer Funkfernsteuerungs

 

anlage. Letztlich wurde 2004 der vorwiegend für Sonderfahrten verwendeten Personenwagen „EB 22“ teilausgebessert.

 

Für Arbeiten an den Oberleitung wird der mit einem funkferngesteuerten Hydraulikkran und Monta­gekorb ausgestattete Motobahnwagen „X 51“ (Inbetriebnahme 1992) eingesetzt.

 

Der Elektrotriebwagen „ET 1“ im Bahnhof Bad Gleichenberg

Personenverkehr

 

Durch die aufkommende Konkurrenz der Busse und ab den 1950er Jahren der des Individualver­kehrs gingen die Fahrgastzahlen stetig zurück. Während in den 1950er Jahren noch rund 100.000 Personen im Jahr mit der Bahn fuhren, gab es in den 1990er Jahren nur noch knapp 30.000 Fahr­gäste pro Jahr.

 

Aktuell verkehren von Montag bis Freitag vier Zugspaare auf der Strecke. Samstag sind es drei Zugspaare, wobei der Verkehr in den Sommermonaten (April–Oktober) auf fünf Zugspaare aus­geweitet wird. An Sonn- und Feiertagen sind vier Zugspaare auf der Strecke unterwegs. Alle Züge haben Anschluss an die Schnellbahnlinie S3 nach Graz.

 

Güterverkehr

 

Der Güterverkehr, welcher beinahe ausschließlich für die „Steirische Basalt- und Hartgesteinwerke Appel Steinbruch Ges.m.b.H.& CO KG“ in Mühldorf bei Feldbach erfolgt, ist eine der Haupteinnah­mequellen der Bahn.

 

Galerie

 

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Bad Gleichenberg wird generalsaniert
Fahrleitungsschalter in der Stellung „aus“
Bahnhof Bad Gleichenberg Richtung Nordwesten (Strecke Richtung Maierdorf)
„ET 1“ und „ET 2“ beim Trennen nach der Fahrt in Doppeltraktion
Bahnhof Bad Gleichenberg Richtung Südosten (Richtung Streckenende)
Führerstand des Elektrotriebwagens „ET 1“
Neue Wartekoje mit neuer Park&Ride-Anlage im Bahnhof Bad Gleichenberg
Typenschilder des Elektrotriebwagens „ET 1“
Alter, noch funktionstüchtiger Fahrleitungsschalter im Bahnhof Bad Gleichenberg
Oberleitungsportal am Streckenende der Landesbahn im Bahnhof Bad Gleichenberg

 

Einzelnachweise

1) Steiermärkische Landesbahnen: Wissenswertes, Landesbahn Feldbach – Bad Gleichenberg (Me­mento vom 27. August 2005 im Internet Archive).

2) Marburger Nachrichten. (…) Eisenbahnproject Feldbach–Purkla. In: Marburger Zeitung, Nr. 65/1900 (XXXIX. Jahrgang), 12. Juni 1900, S. 5 Mitte. (Online bei ANNO).

3) Handel, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. (…) Vorkonzession.. In: Wiener Zeitung, Nr. 186 / 1909, 15. August 1909, S. 9, unten rechts. (Online bei ANNO).

4) BGBl 1928/334. In: Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich, Jahrgang 1928, S. 2099–2103. (Online bei ANNO).

5) Anm

6) Inhaltstext online.

 

Anmerkungen

Bereits im November 1872 wurde von zwei ähnlichen, wenn nicht gar gleichen Projekten berichtet, wo­von eines, normalspurig, von der Gesellschaft der Graz-Köflacher Bahn beim k.k. Handelsministerium zur Vorkonzession eingereicht worden war (Stre>Ljutomer)–Station Polstrau (Središče ob Dravi)). – Siehe: Eisenbahn-Nachrichten. (…) Graz-Köflacher Bahn. In: Das Vaterland, Nr. 323/1872 (XIII. Jahrgang), 24. November 1872, S. 6 (un­paginiert), oben links. (Online bei ANNO).

 

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Landesbahn_Feldbach%E2%80%93Bad_Gleichenberg

 

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