Bahnstrecke Salzburg – Hangender Stein

Die Bahnstrecke Salzburg–Hangender Stein, meist als Lokalbahn oder umgangssprachlich als Rote Elektrische bezeichnet, war eine 13,6 Kilometer lange Nebenbahn in Österreich. Die normal­spurige und elektrifizierte Strecke führte vom Salzburger Lokalbahnhof nach Grödig. Dort bestand im Bahnhof Han- gender Stein Anschluss an die Bahnstrecke Berchtesgaden–Hangender Stein, mit der die hier beschrie- bene Strecke betrieblich eng verbunden war. Im Zentrum von Salzburg wie­derum bestand eine enge Verknüpfung mit der ehemaligen Straßenbahn Salzburg, zwischen Lo­kalbahnhof und Fünfhaus teilten sich beide Verkehrsmittel die Strecke. Eine weitere Verknüpfung bestand mit der anschließenden Bahnstrecke Salzburg–Lamprechtshausen, die bis heute existiert und abgenzend zur hier behandelten Südlinie beziehungsweise Südlokalbahn nach Hangender Stein meist als Nordlinie beziehungsweise Nordlokalbahn bezeichnet wurde.

 

Zuständiges Verkehrsunternehmen für die Bahnstrecke Salzburg–Hangender Stein war die Salz­burger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft (SETG). Nach der 1948 erfolgten Abwicklung der SETG waren die Städtischen Verkehrsbetriebe Salzburg für die Strecke verantwortlich, die wieder­um 1950 in den Salzburger Stadtwerken aufgingen.

 

Geschichte

 

In den Jahren 1884 und 1885 bemühten sich der Direktor der Linzer Tramwaygesellschaft Alexan­der Werner und der Zivilingenieur Franz Kreuter um eine Genehmigung zum Bau und Betrieb einer Bahn vom damaligen Salzburger Staatsbahnhof in Richtung bayerische Staatsgrenze. Am 21. April 1885 er- hielt Werner schließlich die Konzession für eine Lokalbahn.[1][2][3] Die Bauarbeiten began­nen im Juni 1886, die anfänglich als Dampfstraßenbahn betriebene Strecke wurde in drei Teilab­schnitten eröffnet:

 

10. August 1886: Salzburg Hauptbahnhof–Zentrum–Äußerer Stein

 

29. August 1886: Äußerer Stein–Hellbrunn

 

20. November 1886: Hellbrunn–Drachenloch

 

Bis Nonntal war die Lokalbahn dabei wie eine Straßenbahn trassiert, erst im weiteren Verlauf stand ein eigener Bahnkörper zur Verfügung. Am 31. August 1892 verkürzte man die Strecke um circa 400 Meter, als die neue Endstation St. Leonhard-Drachenloch die alte Endstation Drachenloch er­setzte.

 

Am 1. Mai 1893 ging schließlich die 1,8 Kilometer lange Zweigstrecke zwischen Äußerer Stein und Bahnhof Salzburg-Parsch in Betrieb, damit war auch eine Verbindung zur Talstation der Gaisberg­bahn sowie zur Salzburg-Tiroler-Bahn hergestellt.[4] Sie ermöglichte es den Güterzügen die Innen­stadt zu umgehen, die Waren konnten fortan in Parsch an die Staatsbahn übergeben werden. Er­gänzend zu den Dampfstraßenbahnzügen fuhren 1893 und zwischen 1895 und 1902 auch Straßenbahn-Pferdebahn- wagen nach Parsch.[5] Ebenso wurde die Lokalbahn zwischen 1887 und 1908 auch auf dem Abschnitt Lokalbahnhof–Bazar durch zusätzliche Pferdebahnwagen verstärkt. Die spätere elektrische Straßen- bahn nutzte die Lokalbahnstrecke hingegen nur noch zwischen Lo­kalbahnhof und Fünfhaus.

 

Am 1. Oktober 1907 ging die Verlängerung zwischen St. Leonhard-Drachenloch und Hangender Stein in Betrieb. Der Grenzbahnhof Hangender Stein wurde gemeinsam mit den Königlich Bayeri­schen Staatsei-senbahnen betrieben, die ihre von Berchtesgaden kommende Strecke ebenfalls am 1. Oktober 1907 dorthin verlängerte. Kurz darauf, am 1. Juli 1909, nahm man den elektrischen Be­trieb zwischen Salzburg und Hangender Stein auf, nachdem die bayerische Strecke dorthin bereits seit dem 15. Januar 1908 elektrifiziert war. Als Stromsystem wurde 1000 Volt Gleichstrom gewählt, im Güterverkehr waren die Dampflokomotiven aber noch bis 1919 im Einsatz.

 

Es bestand eine durchgehende Gemeinschaftslinie von Salzburg nach Berchtesgaden, auf dieser verkehrten grün lackierte Fahrzeuge der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen bis Salzburg und rot lackierte Wagen der SETG bis Berchtesgaden. Die Fahrzeuge waren baugleich, zudem existierten ein- heitliche Tarife und ein grenzüberschreitender Personaleinsatz.

 

Nachdem der Abschnitt St. Leonhard–Hangender Stein bereits am 2. Oktober 1938 zusammen mit dem angrenzenden bayerischen Streckenabschnitt eingestellt worden war, folgte zum 31. Oktober 1953 auch die Stilllegung des Restbetriebs. Ursächlich hierfür war der zunehmende Individualver­kehr und der damit verbundene Straßenausbau.

 

 

Einzelnachweise

  1. Salzburger Lokalbahn. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.

  2. Gunter Mackinger: Jahre Bahngeschichte im Berchtesgadener Land – traditionell Salzburg eng „ver­bunden“. In: Berchtesgadener Land Bahn 09/2010 (Präsentation, pdf, regionale-schienen.at).

  3. Concessionsurkunde vom 21. April 1885, für die Locomotiv-Eisenbahn von Salzburg zur österrei­chisch-bayerischen Reichsgränze in der Richtung gegen Berchtesgaden.

  4. Kundmachung des Eisenbahnministeriums vom 19. Juli 1908, betreffend die Abänderung der Bestimmungen im § 11 der Allerhöchsten Konzessionsurkunde von 21. April 1885, R. G. Bl. Nr. 70, für die Lokomotiveisenbahn von Salzburg zur österreichisch-bayerischen Reichsgrenze in der Richtung gegen Berchtesgaden.

  5. Vollzugsanweisung des Staatsamtes für Verkehrswesen vom 15. März 1920, betreffend die Abände­rung der Bestimmungen im dritten und vierten Absatze des § 6 der Allerhöchsten Konzessionsurkun­de vom 21. April 1885, R. G. Bl. Nr. 70, für die Lokomotiveisenbahn.

  6. Concessionsurkunde vom 15. Oktober 1892, für die Localbahn (Dampftramway) von Salzburg nach Parsch.

  7. Die Gaisbergbahn auf www.schmalspur-europa.at

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Salzburg%E2%80%93Hangender_Stein

 

 

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